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    <title>Lost in Deutschland</title>
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        <title>Lost in Deutschland</title>
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    <description>Ein Brite in Germanistan</description>
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    <dc:rights>Copyright 2009 Blinkenlichten Produktionen, Creative Commons by-nc-sa</dc:rights>
    <dc:date>2009-12-31T08:00:17+00:00</dc:date>
     <pubDate>Thu, 31 Dec 2009 08:00:17 +0000</pubDate>
<copyright>Copyright 2009 Blinkenlichten Produktionen, Creative Commons by-nc-sa</copyright>
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<itunes:author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen, DerWesten.de</itunes:author>
<itunes:subtitle>Ein Brite in Germanistan</itunes:subtitle>
<itunes:summary>Brian Melican, britischer Journalist und Germanist, entdeckt mit Kamera und Mikrofon die alltäglichen deutschen Absonderlichkeiten.
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      <title>72: Über Fernsehtürme und sonstiges</title>
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      <description>„Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“, heißt es auf Schlager&#45;Deutsch und – obwohl ich sehr gerne dieser Volksmusikgattung noch ein Video dieser Reihe gewidmet hätte – es stimmt ebenfalls für unseres Bewegtbildblog über interessante deutsche Eigenarten. Es hat ein Ende.

Trotz einiger solchen unbehelligten, für den Briten rätselhaften Themenbereiche (TÜV und DIN, zum Beispiel, sowie mangelnde Tempolimits und Wehr&#45;/Zivildienst) bin ich im Laufe der letzten zwei Jahre zu einigen Erkenntnissen gelangt. Schon oft bei der Recherche wurde klar, dass nicht nur ich als Zugezogener, sondern auch die Deutschen über das jeweilige Thema nicht Bescheid wussten. Und die Ergebnisse überraschten nicht nur mich.

Zum Beispiel beim Thema Essen. Nicht jeder Deutsche weiß, was eine Bergische Kaffeetafel ist. Vielen war auch nicht klar, wie sehr das deutsche Brot sich von den Backerzeugnissen anderer Länder abhebt. Dass der Spargel fast nur in Deutschland weiß ist, erfuhren auch einige Gesprächspartner zum ersten Mal.

Die Deutschen gerieten in der Regel auch dann sehr schnell in Erklärungsnot, wenn es um die ÖPNV ging. Den Unterschied zwischen Straßenbahnen, sogenannte Stadtbahnen und U&#45;Bahnen dachten viele erklären zu können. Doch spätestens nach meiner Frage, warum die U&#45;Bahn oft eher oberirdisch fährt und die Straßenbahn gerne mal runtertaucht, wurden die meisten Stumm. Ähnlich erging es mir und den Deutschen bei der Frage, wann und wie man eine Fahrkarte zu lösen hat.

Dennoch waren einige Sachen schnell aufgeklärt – und da wussten schon fast alle Deutschen Bescheid. Nur ich musste etwa nachlernen, dass man/Mann in Deutschland im Sitzen pinkelt, dass „Pinkel“ auch eine leckere Grünkohleinlage sein kann und dass man in Kneipen nicht immer im richtigen Klo pinkelt, wenn man sich über die rätselhafte Beschilderung nicht im Klaren ist. Dass ein Klarer oft nach dem Essen getrunken wird, wurde mir erst bei der Recherche zum Thema Schinken klar. Unklar blieb es mir bis in die Recherche&#45;Phase auch, dass ein Klarer und ein Bier zusammen ein Herrengedeck ausmachen.

Da fand ich bei den meisten Deutschen aber schon schnell Aufklärung. Nur oben im Nebel, oft von den Regenwolken verdeckt, hockt das eine große Mysterium in diesem Lande, über das sich jetzt mittlerweile auch Deutsche in meinem Bekanntenkreis ausfragen: Der Fernsehturm. In jeder Stadt präsent, oft sehr groß und teuer gebaut, und für die Fernsehübertragung schon in den 80ern nicht mehr zeitgemäß. Ein typisch deutsch&#45;föderalistisch&#45;kleinstattliches Sich&#45;gegenseitig&#45;Austricksen unter Großstädten? Notplattformen für den Fall aller Fälle beim Klimawandel, wenn die norddeutsche Tiefebene unter Wasser liegt? Oder Geheimraketensilos für eine deutsche Abschreckungswaffe des kalten Krieges, die aus politischen Gründen nur getarnt eigesetzt werden konnte?

Wie auch immer: Fernsehtürme sind wie Würste. Jede deutsche Stadt hat eine, die als Wahrzeichen herhält. Die Dinger fallen Ausländern auf, gehören aber für Deutsche zum Alltag. Darüber hinaus weiß keiner so wirklich, was drin ist. Und: Die Diskussion um Fernsehtürme, wie die Wurst, gehört zu den wenigen Sachen, die kein Ende findet.

Und von wegen kein Ende: Für weitere Themen wie TÜV, DIN und Schlager – nicht unbedingt als Video aufbereitet – wird es immer nach wie vor Lost in Deutschland in Textform geben.

Musik:&amp;nbsp; Cyril Pereira &#45; blacksheep desert, Cyril Pereira &#45; Indecision, Realaze &#45; Marcher dans la rue, Antony Raijekov &#45; Lightin&#8217;, Alexander Blu, Alexander Blu &#45; Teacher, subatomicglue &#45; theme1, Matthew Tyas &#45; Folkloric Stuff, Vulsor &#45; Youkou Yeah Yeah!, Matthew Tyas &#45; Easy Way Out, and Xcyril &#45; Suspence dans un film d&#8217;action</description>
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      <dc:date>2009-12-31T08:00:17+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 31 Dec 2009 08:00:17 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>71: Weihnachtsbräuche</title>
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      <description>Schnee, Glühwein, Weihnachtslieder! Holzspielzeug, Dominosteine, Kerzen! Wahrlich handelt es sich in dieser Saison um: Deutschland, ein Wintermärchen! 

Nun meinte das Heine eher ironisch mit dem „Wintermärchen“, aber daran störe ich mich in der Formulierung nicht. Denn kein Land macht so viel aus Weihnachten wie Deutschland. Kaum ein Viertel, kaum ein Dorf ohne Weihnachtsmarkt, wo Glühwein und Grog ausgeschenkt, Schmalzgebäck und Schokolade verspeist werden. Sanftes Licht und Weihnachtsbäume, lachende Kinder und lauter lachende Glühweintrinker. Alles ein Weihnachtsmusterbild, wie das britische Kind das höchstens mal aus irgendwelchem Märchenbuch mit gehobenem Qualitätsanspruch kennt.

Doch Schönheit ist rätselhaft, zumal ich eben so ein britisches Kind war und das mit dem gemütlichen deutschen Weihnachtsfest erst jetzt nachhole: Also weiß ich noch nicht, worum es sich beim Wörtchen „Plätzchen“ handelt. 

Und da Düsseldorf das mit der Verniedlichungsform echt drauf hat (Füchschen Alt, die Engelchen Bar, das Friedensplätzchen), bin ich mal eben dorthin gefahren, um den kleinen Plätzen auf den Grund zu gehen. 

Musik:  Matthew Tyas &#45; David&#8217;s day out and t r y a d &#45; Lovely</description>
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      <dc:date>2009-12-24T08:00:46+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 24 Dec 2009 08:00:46 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>70: Reeperbahn</title>
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      <description>„In Hamburg sagt man Tschüss, es heißt auf Wiedersehen…“

„Auf der Reeperbahn nachts um halb eins…“

„Hamburch meine Perle, du wunnerschönne Stadd…“

Wer kennt die nicht, diese Klassiker des deutschen Liedguts der Nachkriegszeit?&amp;nbsp; Und wer kennt sie nicht, die Flüsse Elbe und Alster, den Hafen, die Elbfähren? Und gibt es auch eine Fußballmannschaft, die sich nicht freut, gegen St. Pauli aufzutreten &#45; mit anschließendem Spaß auf der Reeperbahn?

Ja, Hamburg ist in Deutschland eine große Nummer, gemessen an Übernachtungen das beliebteste binnendeutsche Reiseziel der gesamten Bundesrepublik. Vor Berlin, vor München, vor vielen Städten, die sich im Ausland eines viel höheren Profils erfreuen.

Das Gros der viel weniger zahlreichen ausländischen Touristen in Hamburg kommt allein wegen der Reeperbahn – bzw. das tun die britischen Touristen. Sie kennen nicht das Werk von Hans Albers, laufen über seinen Platz gleich in die Herbertstraße rüber. Dabei haben die Reeperbahn und das umliegende Viertel St. Pauli eine sehr interessante Geschichte und einen wichtigen Stellenwert in der deutschen Volkskultur.

Musik:&amp;nbsp; Matthew Tyas &#45; David&#8217;s day out</description>
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      <dc:date>2009-12-17T14:21:15+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 17 Dec 2009 14:21:15 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>69: Gebärdensprache</title>
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      <description>Wann immer ich von Menschen, die der Gebärdensprache mächtig sind, etwas darüber erzählt bekomme, muss ich lachen. Hier so einige Beispiele, die die Verspieltheit und den Reichtum der Gehörlosensprache verdeutlichen:

1.	In der britischen sowie in der deutschen Gebärdensprache ist die Gebärde für „deutsch“ eine nachgemachte Pickelhaube. Wer behauptet, die Deutschen würden sich zu ernst nehmen, sollte sich erst mal mit gehörlosen Deutschen zusammentun.

2.	Namen müssen in der Gebärdensprache schnell auf den Punkt gebracht werden. Deswegen heißt Merkel soviel wie „Miesmund“ (oder, weniger konnotiert, „merken“) und Westerwelle „Aknehaut“. Oskar Lafontaine heißt: „Der Typ mit der Nase“.

3.	In der deutschen Gebärdensprache gibt es eine auffällige Ähnlichkeit zwischen den Gebärden für „schüchtern“ und „englisch“.

Letzteres ist wohl nur Zufall: deutsche Gehörlose hören schreiende, rumpöbelnde englische Fußballfans zwar nicht, aber besonders schüchtern aussehen tun sie auch nicht. Die Gebärdensprache hat auf jeden Fall ein Gespür für Ironie und eine beachtliche Kreativität.

Somit ist sie bestens gerüstet, um den Gehörlosen Aktualität zu vermitteln. Nur sieht das das deutsche Fernsehen nicht so. Während in Großbritannien fast alles bei der BBC mit Verdolmetschung zu sehen ist, ist Deutschland hier rückständig. Woran kann das liegen?

Musik:&amp;nbsp; #NarNaoud# &#45; Break &#8216;n&#8217; Fever</description>
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      <dc:date>2009-12-10T08:45:45+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 10 Dec 2009 08:45:45 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>68: Milliarde</title>
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      <description>Mathe war für mich immer traumatisch. Während sich mir andere Schulfächer schnell erschlossen, ohne dass ich mich wirklich anstrengen musste, blieb ich in Mathe kurz nach dem Rechnen hängen. Schon bei quadratischen Gleichungen konnte ich nur fragen: „Warum“? Aber lösen konnte ich die Dinger nie. 

Deswegen bekam ich lange Zeit bei meiner Tätigkeit als Übersetzer noch Schweißausbrüche, wann immer sich das Thema Richtung Mathematik wandte. Geschäftsberichte zum Beispiel waren das nackte Grauen: Und die mache ich auch nicht mehr.

Im Nachhinein betrachtet ging es eigentlich nicht darum, dass meine mathematischen Kenntnisse nicht ausreichten. Es war in Wirklichkeit eher so, dass meine Kenntnisse zu gut waren. Denn während andere Übersetzer oft nicht merken, dass „1,2“ auf Deutsch mit „1.2“ auf Englisch wiederzugeben ist, achtete ich immer sehr darauf. Was aber dazu führte, dass ich ganze Excel&#45;Dateien durchforsten musste und Kommas gegen Punkte austauschen musste. Deswegen wohl die Schweißausbrüche, denn spätestens ab der 50. Wiederholung ist man schon fix und fertig.

Meine geringen mathematischen Kenntnisse kommen mir aber immer noch bei anderen Texten zugute, die ich übersetze oder schreibe. Denn ich habe gelernt, dass eine englische „billion“ keiner deutschen „Billion“ entspricht. Nur muss ich immer noch Kommas und Punkte auswechseln, denn „1.000.000“ auf Deutsch schreibt sich „1,000,000“ auf Englisch. Aber egal: Ein paar Mal in einem Fließtext ist das noch zu verkraften. Übrigens würde es mich interessieren, warum die deutschen und englischen Rechensysteme ab 1000000 so voneinander abweichen.

Musik:&amp;nbsp; #NarNaoud# &#45; Oriental Standing</description>
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      <dc:date>2009-12-03T08:09:55+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 03 Dec 2009 08:09:55 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>67: Kneipen&#45;Klo&#45;Schilder</title>
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      <description>Es gibt sie hin und wieder, diese Themen, bei denen ich mir erst mal nicht sicher bin, ob das wirklich so ist und zu einer Berichterstattung über kulturelle Unterschiede taugt. Oder ob ich einfach subjektiv was empfinde, was aber in der Wirklichkeit nicht so ist.

Beispiel: Klobeschilderung in deutschen Kneipen. Die ist meiner Ansicht nach oft eher bedürftig. Mal ist sie unlesbar, mal sind die Symbole nicht sofort begreifbar, mal ist sie einfach abwesend und man muss wirklich aufpassen, dass man sich nicht plötzlich  auf dem falschen Klo befindet – und damit riskiert, durch irgendwelche Security&#45;Leute aus dem Laden rausgeworfen zu werden.

Dabei habe ich mich doch immer wieder gefragt: Kann es sein, dass es in England auch so ist und du das da nie bemerkt hast? Oder kann es sein, dass du hier öfter ausgehst bzw. in einer andere Sorte von Läden unterwegs bist, als damals in London?

Dann war ich neuerdings wieder in London, war auch viel unterwegs bei vielen verschiedenen Adressen und sah überall immer „Ladies“ and „Gents“ geschrieben. Deutschland ist da anders. Fertig. Da fahren wir in ein Kneipenviertel und gucken uns das mal an…

Musik:&amp;nbsp; EHMA &#45; Pizzicato und Realaze &#45; Marcher dans la rue</description>
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      <dc:date>2009-11-27T13:32:24+00:00</dc:date>
      <pubDate>Fri, 27 Nov 2009 13:32:24 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>66: Bundeskegelbahn</title>
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      <description>Damals an der Uni hatten wir Germanisten eine Vielfalt an Kursen. Es gab viel Literatur, viel Kultur und – vor allem im ersten Jahrgang – viel Grammatik. Dann gab es auch ein Seminar, das so in Richtung „Landeskunde“ ging: Da hat unsere Deutschlektorin versucht, uns die Politik in Deutschland zu erklären.

Es gab viel zu lernen. So viel, dass jeder einzelner in der Gruppe sich sozusagen zur Orientierung an eine bestimmte Information festgeklammert und nicht mehr losgelassen hat. Andy verinnerlichte die Zahl „16“ und versuchte in dem Sommer alle Bundesländer in einer großen Deutschlandtour abzuklappern (an Bremen ist er gescheitert). Eins von den Mädels konnte auf alles nur mit „wäre wohl ein Fall für Karlsruhe“ antworten.

Ich hielt mich am Wort „Bund&#45;“ fest.&amp;nbsp; Wenn immer eine Frage im Seminar mit „Bundesgeld“, „Mehrheit im Bundestag“ oder „Richtlinienkompetenz des Bundes“ zu beantworten war, schoss meine Hand schnurstracks hoch.

Erst Jahre später allerdings, als ich dann in der Tat schon in Deutschland wohnte und mein Bedürfnis nach dem Wort „Bund“ als Orientierungspunkt etwas abgeebbt war, merkte ich, dass ich in einigen Kneipen eine „Bundeskegelbahn“ besichtigen konnte. Eine was? Da entflammte mein Interesse erneut…

Musik:&amp;nbsp; likantropika &#45; UFO clockwork and Cyril Pereira &#45; blacksheep desert</description>
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      <dc:date>2009-11-19T08:40:24+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 19 Nov 2009 08:40:24 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>65: Sonnenbank</title>
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      <description>In Großbritannien ist die Sonnenbank so etwas wie ein „Unterschichtsphänomen“. Im bescheidenen Viertel, wo ich aufgewachsen bin, sind einige regelmäßig hingegangen. Die Logik war dieselbe, wie die, die hinter den großen Fernsehern und Stereoanlagen steckten: Bloß nicht arm aussehen.

An der Uni war es das genaue Gegenteil. Unter den Röhren waren nur die Reichsten der Reichen: Der Druck, ständig so auszusehen, als ob man letztes Wochenende mal eben nach St. Tropez geflogen wäre, war groß.

Generalisiert unter der breiten Bevölkerung hatte sich das Phänomen aber nicht. Im Gegensatz zu Deutschland: Hier kenne ich viele Menschen, die zur so genannten „Mittelschicht“ gehören, die aber regelmäßig ins Sonnenstudio gehen. Menschen, die einen Beruf gelernt oder ein Fach studiert haben. Menschen, die nicht den Druck spüren, einen Riesenflachbildschirmfernseher zu kaufen, die aber ständig braun bzw (Kürbis&#45;)orange aussehen müssen.

Wo kommt das her? Der Deutsche ist allen Klischees – und meinen Erfahrungen – zufolge sonst oft weniger beschäftigt mit Äußerlichkeiten als Menschen anderer Kulturen.

Musik: Gerador Zero &#45; #!/bin/bash</description>
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      <dc:date>2009-11-12T08:34:47+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 12 Nov 2009 08:34:47 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>64: Mauerfall</title>
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      <description>Als in Deutschland wohnender Journalist britischer Herkunft muss man wohl den Mauerfall – dieses für Deutschland und auch für Großbritannien so wichtige Ereignis – „machen“. Das war mir schon am Anfang des Jubiläumjahres klar. Nur war die Frage, wie?

Ich bin es nämlich gewohnt, meine Deutschland&#45;Berichterstattung mit mehr als nur der einen oder anderen Prise Humor zu gestalten. Jede Woche strenge ich mich an, eine überspitzte, pietätlose, oft grenzwertige Theorie aufzubauen, an der wir unsere kompletten informationellen Inhalte aufhängen. Der Ton ist also gründlich satirisch, distant.

Doch fand ich die übliche Herangehensweise hier fehl am Platz. Was auch immer ich mir als skurrile Theorie ausgedacht habe, passte einfach nicht. Denn das Thema, das wir hier angehen, ist keine nette deutsche kulinarische Tradition wie Grünkohl, kein lustiger kultureller Unterschied wie Im&#45;Sitzen&#45;Pinkeln für Männer: Hier geht es um das Schicksal von 80 Millionen Menschen, um Freiheit und Demokratie.

Musik: Xcyril &#45; L&#8217;action</description>
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      <dc:date>2009-11-05T09:12:08+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 05 Nov 2009 09:12:08 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>63: Kürbis</title>
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      <description>Was denken Sie, welches rundes, fleischiges und vorwiegend orangefarbiges Gemüse für mich stets als Sinnbild von Deutschland herhalten wird?

Nein, nicht Helmut Kohl circa 1987, frisch aus dem Urlaub zurück und mit viel Fernsehmakeup; vielmehr handelt es sich um den Kürbis.

Der Kürbis, fragen Sie mich, ist das nicht eher amerikanisch?

Jein. Das mit Schnitzen ist eindeutig amerikanisch, ja – in Deutschland hat man das ohnehin früher mit Rüben, nicht mit Kürbissen gemacht. Aber das mit Kürbissuppe, mit Kürbis süß&#45;sauer eingelegt, mit kleinen Zierkürbissen auf Tischen, in Fensterbänken und vor Türen bundesweit: Das ist eindeutig deutsch.

Vor allem an Kürbissen in Schaufenstern lässt sich eine deutsche Einkaufsmeile aus dem europäischen Shopping&#45;Städte&#45;Brei herauserkennen: Denn das mit Schaufensterdeko ist ja sowieso eine sehr deutsche Angelegenheit. Die Minikürbisse, die sich in dieser Jahreszeit überall breitmachen, stellen einfach dessen logischen Weiterdreh da.

Musik:&amp;nbsp; Yue &#45; The Tube and Cyril Pereira &#45; blacksheep desert</description>
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      <dc:date>2009-10-29T08:59:39+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 29 Oct 2009 08:59:39 +0000</pubDate>
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      <title>62: Hochdeutsch</title>
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      <description>An der Uni wurde uns von Sprachwissenschaftlern erzählt, Hochdeutsch würde nicht existieren. Beziehungsweise wäre geographisch überhaupt nicht zu verorten, wäre nur ein Konstrukt – sowie sogenannte „received pronunciation“ oder „Queen’s English“ zu bestimmten Anlässen in Großbritannien.

Das kann insofern stimmen, als ich in der Schweiz schon verstehen konnte, was im Fernseher lief, ohne in der Lage zu sein, mir ohne sachkundige Hilfe beim Bäcker ein Brötchen zu besorgen. Doch anders rum ist der geographische Bezug in Sachen Hochdeutsch schon vorhanden: Denn im Norden kann ich sowohl fernsehen als auch einkaufen.

Dennoch musste ich in der nördlichen Hälfte von Deutschland so dat eine oder andere nicht&#45;hochdeutsche Wort lernen – angefangen dabei, bei „dat“. Überall wo ich wohnte – in Dortmund, Düsseldorf, Münster und Hamburg – sagten mir alle, nur in Hannover würde ich richtiges Hochdeutsch zu hören bekommen.

Gibt es denn tatsächlich eine Stadt, wo Hochdeutsch gesprochen wird? Und bejahendenfalls: Warum stammt Hochdeutsch gerade daher?

Musik:&amp;nbsp; subatomicglue &#45; theme4</description>
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      <dc:date>2009-10-22T07:30:35+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 22 Oct 2009 07:30:35 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>61: Dezimal,trenn.zeichen</title>
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      <description>Es gibt Unterschiede zwischen Deutschland und Großbritannien, die so was von täglich und allgegenwärtig sind, dass sie schon nach einigen Wochen hierzulande überhaupt nicht mehr auffallen.
Dabei sind das oft die grundlegendsten Sachen.

Beispiel: Das Dezimaltrennkomma. In Großbritannien und anderen  englischsprachigen Ländern ist es der Dezimaltrennpunkt. Das heißt „2,0“ auf Deutsch ist 2.0 auf Englisch. Die Basis der ganzen Mathematik ist also anders. 

Und ich komme leider nicht darauf klar, sage immer noch „zwo Punkt null“ wenn ich müde bin oder sonst nicht aufpasse. Den Fehler machen auch die Verkäufer von Informatik&#45;Produkten, die z. B. auf Deutsch „Version 9.1“ von einer Software herausgeben.

Das ist zugegebenermaßen meistens nicht schlimm. Verwechslungsgefahr zwischen Deutsch und Englisch gibt es in dem Fall erst ab 1.234, was für den Engländer dann 1,234 heißt. Bei 1,0 oder 1.0 ist es den meisten Lesern klar, was gemeint ist. 

Die Frage aber bleibt: warum der Unterschied?

Musik:&amp;nbsp; Matthew Tyas &#45; Regretted times and Xcyril &#45; La decouverte et la conquete</description>
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      <dc:date>2009-10-15T06:54:41+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 15 Oct 2009 06:54:41 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>60: Miniaturwunderland</title>
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      <description>Die Frage bekomme ich hin und wieder gestellt: Was ich an Deutschland auch nach mehr als 18 Monaten hierzulande noch sehr schätzen würde?

Antwort: Unter anderem das Bier, das Brot und die Bahn. Alle drei sind Sachen, wo die Deutschen eben mehr auf Handwerk und Qualität achten als die Briten – und alle drei sind täglich wichtig.

Vor allem in Sachen Bahn ist Deutschland eine andere Welt. Züge von jeder Stadt in jede andere ohne nervigen Umstieg; Umstieg wenn dann oft „am selben Bahnsteig gegenüber“ – auch noch zeitlich abgestimmt; große gelbe Fahrplan&#45;Enzyklopädien in allen Bahnhöfen sowie ausführliche Durchsagen von Bahnbeamten in pfiffiger Uniform. Jeden Tag überall in Deutschland vom kleinsten Kaff bis zur größten Großstadt die gleiche Detailtreue: Deutsche Organisationsporno der n&#45;ten Potenz, und ich liebe das.

Wohl deswegen kann ich mich immer wieder für einen Besuch in die Miniaturversion von Bahndeutschland begeistern. Ein behaglicher Anblick deutscher Ordnung und ingenieurwissenschaftlicher Tüchtigkeit…

Musik:&amp;nbsp; Antony Raijekov &#45; When Waves Trying to Catch a Marvel</description>
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      <dc:date>2009-10-08T09:35:22+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 08 Oct 2009 09:35:22 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>59: Oktoberfest</title>
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      <description>Ich habe so einige Themenideen, die auf dem ersten Blick etwas abstrus wirken. Es ist nämlich dem Deutschen eben nicht sofort klar, was die Besonderheit etwa an einem Kurort ist; oder inwiefern es sich bei einer Stadtbahn um ein spezifisch deutsches Phänomen handelt; oder dass es in Großbritannien so gut wie keine großen Volksfeste gibt.

Wobei: gerade in Sachen Volksfeste gibt es ein Thema, das sich selbst der Deutsche für eine Berichterstattung über deutsche Eigenarten aussuchen würde: Das Oktoberfest.

Denn das Fest erlebte ich natürlich mit Deutschen, die fast alles kommentierten, was auch ich auffällig, urig oder traditionell deutsch fand: Blonde Bayern in Dirndln und Lederhosen; starkes, leckeres Bier in riesigen Maßkrügen; Freundlichkeit und Geselligkeit auf Anhieb; die unglaubliche Zahl an großen Fahrgeschäften und Essensstände, die für zwei Wochen wie aus dem Boden gestampft dastanden; die schiere Organisationstüchtigkeit, die dafür an den Tag gelegt worden war. Alles klassisch deutsch – auch für die Deutschen.

Was sehr lustig ist. Denn eigentlich ist das Fest natürlich klassisch bayerisch. Wobei die bajuwarische Bevölkerung wiederum schon fast ein Viertel der Bundesbevölkerung darstellt. Aber nochmal anders rum betrachtet zählt sich nicht jeder Bayer zu den Deutschen (gerne &#8220;Preußen&#8221; oder auch &#8220;Praißen&#8221; auf gut Bairisch genannt), wie wir eben in diesem Beitrag feststellten.

Musik:&amp;nbsp; Matthew Tyas &#45; Folkloric Stuff!, Xcyril &#45; Suspense dans un film d&#8217;action</description>
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      <dc:date>2009-10-01T07:35:03+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 01 Oct 2009 07:35:03 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>58: Herrengedeck</title>
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      <description>Manchmal gibt es sie, diese Themen, die sich einfach anbieten – und worüber alle sich freuen.

Das Thema „Herrengedeck“, zum Beispiel. Mich freut es, weil wir hier einer kleinen, lustigen Besonderheit des deutschen Alltags auf den Grund gehen: also wir machen genau das, wofür dieser Blog steht.

Meinen Chef freut es, weil das Thema alle Voraussetzungen für einen ruhigen Schlaf erfüllt: Es ist völlig unkontrovers – also nichts politisches oder so; es wird aber sehr gerne geklickt, weil die Leute sich für so was interessieren; und es ist – vorausgesetzt, dass wir nicht zu viel von dem Zeug trinken &#45; ein finanziell unaufwendiger Dreh.

Und meinen Kameramann freut es, weil er bei der Arbeit einen saufen darf.

Was mich zugegebenermaßen ebenfalls sehr freut.

Einzige Schwierigkeit: Einen „Experten“ zum Thema zu finden. Aber ich denke, in der Essener Kneipe „Zum Brenner“ ist es uns gelungen, so einen zu finden, der sich da so richtig auskennt&#8230;

Musik:&amp;nbsp; Matthew Tyas &#45; Underhanded Pleasures!, Binary Mind &#45; Devant</description>
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      <dc:date>2009-09-24T07:35:28+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 24 Sep 2009 07:35:28 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>57: Teller leer essen</title>
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      <description>Ich kann mich sehr gut daran erinnern, wo ich den Spruch zum ersten Mal gehört habe. Das war 2006 in der Kantine vom Verlag Gruner &amp;amp; Jahr in Hamburg. Wie immer regnete es draußen und wir standen vor der Essensausgabe mit ordentlich Kohldampf.

Die Kantine war wirklich super. Man konnte sich so einen Salatteller holen und den voll packen mit leckeren Sachen: allein der reichte mir meist aus, vor allem dann, wenn ich abends noch kochen wollte. Dann gab es aber auch immer Tagesgerichte: Königsberger Klopse haben sie zum Beispiel immer sehr gut gemacht.

Als ich mich dann einmal gegen meine Gewohnheit und für die Klopse entschieden habe, sagte mir eine Kollegin, ich müsste doch wohl sehr zuversichtlich sein, das alles aufessen zu können: Sonst würde es schlechtes Wetter geben.

Ich schaute mir durch die Glasdecke den mittlerweile in Strömen fallenden Regen an und fragte mich, was es verdammt nochmal überhaupt ausmachen könnte, wenn ich meinen Teller leer essen würde oder nicht.

Musik:&amp;nbsp; Vulsor &#45; Pov Diables, Matthew Tyas &#45; Regretted times</description>
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      <dc:date>2009-09-17T07:17:41+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 17 Sep 2009 07:17:41 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>56: Landesvertretungen</title>
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      <description>„Ja, das war mal sehr interessant mit Ihnen, Herr Melican. So ein Themenansatz haben wir noch nicht gehabt.“

„Das glaube ich Ihnen gerne, Frau Krämer! So viele britische Journalisten, die in deutschen Zeitungen über ihre Erfahrungen als Ausländer schreiben, gibt es eben nicht.“

„Allerdings. Sehr interessant fand ich das, was Sie meinten &#45; von wegen, unsere Landesvertretung hier wäre wie eine Botschaft. Natürlich vergessen wir das gerne, weil wir hier täglich arbeiten, aber eigentlich ist dieses Gebäude größer als so manch eine Botschaft hier in der Gegend. Das ist schon komisch.“

„Eben. Darum bin ich auf die Idee gekommen, einen Bericht darüber zu machen. Der Ausländer, der hier am Straßeneingang vorbeiläuft und die Landesvertretung Baden&#45;Württemberg neben der Indischen Botschaft sieht, könnte meinen, Baden&#45;Württtemberg sei ein eigenständiges Land – und zwar ein reicheres und wichtigeres als Indien.“

 „Ja, das ist schon witzig. Aber machen Sie sich keine Sorgen, Herr Melican. Deutschland wird nicht wieder aufgeteilt. Zumindest: Nicht, dass wir mitbekommen haben.“


Musik: Cyril Pereira &#45; Blacksheep pacific, Xcyril &#45; Suspence dans un film d action</description>
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      <dc:date>2009-09-11T08:32:18+00:00</dc:date>
      <pubDate>Fri, 11 Sep 2009 08:32:18 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>55: Kurort</title>
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      <description>In Großbritannien gibt es zwei Sorten Wasser: einmal Süßwasser und einmal Salzwasser. In Deutschland gibt es daneben noch Sprudelwasser, Quellwasser, Mineralwasser, Solewasser… unzählige Wasserquellen, deren Gewässern oft eine heilende Wirkung nachgesagt wird.

Nicht nur nachgesagt, sondern anscheinend medizinisch nachgewiesen. Denn die Krankenkassen zahlen ihren Mitgliedern gerne einen Aufenthalt zwecks Genesung in den zahlreichen deutschen Badeorten. Das ist für den Engländer völlig fremd: wir haben keine Kurorte, nur „Health farms“, wo höchstens verwöhnte Privat&#45;Patienten hindürfen. Sonst sind das nur Gesundheitstouristen, die sich einen „Wellness&#45;Urlaub“ gönnen wollen (wobei an dieser Stelle beiläufig erwähnt werden sollte, dass „Wellness“ nur ein deutsches und kein englisches Wort ist. Nur so am Rande…).

Nun könnte ein zynischer Engländer meinen, die Gewässer hätten höchstens ein Schein&#45; oder Wohlfühleffekt, und dass die zahlreichen deutschen Badeorte die Krankenkassen bestochen hätten, damit sie eine „Kur“ als Behandlung  weiterhin erstatten. Denn so bekommen sie im Jahr Millionen Zwangsbesucher, die alle in der Stadt Geld ausgeben müssen. Kurpatienten, im Gegensatz zu einfachen Wellness&#45;Urlaubern, dürfen über Wochen den Badeort nicht verlassen. 

Nur anhand solcher wirtschaftlicher Vorteile kann ich mir erklären, warum Städte wie Hamm in Westfalen ihrem verlorenen Bad&#45;Prädikat nachweinen. Und warum ICs der Deutschen Bahn in Kleinstädten wie Bad Oeynhausen halten.

Musik: Raphael Badawi &#45; Concerto en Mib Majeur, Matthew Tyas &#45; Easy Way Out</description>
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      <dc:date>2009-09-03T11:43:15+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 03 Sep 2009 11:43:15 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>54: Varusschlacht</title>
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      <description>Stereotypen machen immer wieder Spaß, egal ob sie stimmen oder nicht. Zum Beispiel habe ich eine Zeit lang in Düsseldorf mit einem Italiener WG gemacht. Und ganz wie ich mir das vorgestellt hatte, ernährte er sich fast ausschließlich von Pizza, Pasta, und Parmaschinken. Rotwein trank er. Gestikulieren tat er viel.

Allerdings sah er überhaupt nicht Italienisch aus: Fleischig, blass und mit großen blauen Augen, er kam einem eher wie ein Deutscher vor. Und zu spät kam er ungern. Eigentlich war er pünktlicher als ich – und um einiges pünktlicher als unsere deutsche Mitbewohnerin, die nun mal gar keinen Plan hatte, von dem, was Zeitplanung anging.

Wir Nordeuropäer von Heute haben eben unsere Vorurteile gegenüber Italienern: sie wären unpünktlich und unorganisiert, hätten keine Ahnung von Sauberkeit (siehe Neapel) und würden zu gerne in der Sonne rumliegen. Interessanterweise hegten aber die Südeuropäer von vor 2000 Jahren ein ähnliches Klischeebild von den Kelten und Germanen. Die Römer hatten schließlich Großstädte mit Müll&#45; und Abwasserentsorgung, als die Nordeuropäer noch in Lehmhütten wohnten.

Also war es ein herber Schock für das römische Reich, als der Barbar Hermann mehrere deutsche Stämme organisierte und die Römer in eine kluge Falle lockte. So ungefähr, als würden die Italiener plötzlich Berlusconi abwählen, die Mafia rauskicken und ihre Städte nach deutschen Standards pflegen.

Musik: Cyril Pereira &#45; Margueritte</description>
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      <dc:date>2009-08-27T08:00:55+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 27 Aug 2009 08:00:55 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>53: Volksfest</title>
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      <description>„Ey komm, Brian, ganz im Ernst, du kannst nicht nochmal auf die Kirmes wollen. Du hast ja eben gesagt, du bist gerade erst auf dem Sent in Münster und auf dem Dom in Hamburg unterwegs gewesen…“

„Und auf der Rheinkirmes in Düsseldorf.“

„Und auf der Rheinkirmes in Düsseldorf… äh… Ja, genau. Guck mal: Du warst ja…“

„Und auf der Kirmes in Soest letztes Jahr.“

„Und auf der Kirmes in Soest letztes Jahr. Siehst du! Du bist ja immer auf irgendeiner Kirmes unterwegs. Ist es nicht irgendwann mal gut? Ich habe heute echt null Bock, nach Herne wegen blöden Fahrgeschäften zu fahren und es ist nicht so, als ob du noch in England wohnst und nur im Urlaub in Deutschland ein Volksfest erlebst.“

„Pass mal auf: Du bist ja hier geboren und konntest als Kind immer hinfahren. Ich nicht. Also habe ich nun mal Nachholbedarf. Also halt die Klappe, fahr‘ mich hin und kauf mir schön brav gebrannte Mandeln und Zuckerwatte, verdammt nochmal!“

Musik:&amp;nbsp; Vulsor &#45; Youkou Yeah Yeah!, subatomicglue &#45; bugeater</description>
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      <dc:date>2009-08-20T07:23:50+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 20 Aug 2009 07:23:50 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>52: Regierungsviertel</title>
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      <description>Es gibt wirklich keinen besseren Zeitdieb als Google Earth. Da gibt es ja immer was neues, immer irgendetwas, das man noch nicht gesehen hat; die Verweildauer ist von daher komplett elastisch. 

Habe ich fünf Minuten, gucke ich mir kurz ein Stadtviertel oder eine Eisenbahntrasse, die ich neuerdings befahren habe, aus der Luft an. Habe ich eine Stunde, wähle ich mir eine Stadt aus und mache einen ausführlichen Rundgang aus der Vogelperspektive.

Dabei bin ich dann super gerne über Berlin. Faszinierend, diese Stadt aus der Luft: So lassen sich am besten z. B. der alte Mauerverlauf oder die neuen Bauarbeiten anschauen. Oder man kann ein Viertel begutachten, das man noch nicht kannte – denn bei der Größe der Stadt gibt es immer noch welche, von denen ich keine Ahnung habe.

Was sich auch prima über Google Earth angucken lässt, ist das Regierungsviertel. Das ist ein 1,70 Kilometer langer Streifen, der sich quer durch den Spreebogen erstreckt und so die Wiedervereinigung, das Ineinanderschmelzen von Ost und West, verdeutlichen soll.

Aber fragt man den normalen Bundesbürger, was das alles für Gebäude sind und wie sie aussehen, so hat er wenig Plan. Die Touris sowieso nicht. Denn eigentlich assoziert man Berlin mit… na, was denn? 

Für mich ist Berlin durch und durch der Alex. Allerdings lässt sich der über Google Earth nicht so schön angucken wie dieses Regierungsviertel. Wobei das Regierungsviertel sich doch am Besten mit einem fachkundigen Architekten zu Fuß erkunden lässt, wie ich das in dieser Folge gemacht habe.

Musik:&amp;nbsp; Xcyril &#45; La decouverte et la conquête, Xcyril &#45; Suspence dans un film d&#8217;action</description>
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      <dc:date>2009-08-13T07:23:27+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 13 Aug 2009 07:23:27 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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    <item>
      <title>51: Baggersee</title>
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      <guid>http://www.lostindeutschland.de/lid/baggersee/#When:07:33:29Z</guid>
      <description>„Ja, aber Brian, was macht ihr bei Regen?“

„Wir drehen weiter.“

„Was? Du willst einen Dreh über Baggerseen auch noch im Regen drehen?“

„Ja, du weißt, wie das mit der Produktion ist. Wir haben Gesprächspartner, bei denen man nicht so leicht einen Termin kriegt. Und man muss ja immer hinfahren und so. Nee, Petrus müssen wir völlig außer Acht lassen.“

„Das mag wohl sein, aber ich fände es trotzdem besser, wenn ihr einen Notfallplan hättet.“

„Weißt du was? Ich hoffe, es regnet.“

„Also, hör mal Brian, wann is‘ es denn so weit bei dir?“

„Lass mich das mal begründen. Wir drehen einen Bericht über eine deutsche Besonderheit, die im Sommer besonders wichtig ist, ja? Und der Sommer in Deutschland ist bekanntermaßen eine wettertechnisch oft sehr triste Angelegenheit…“

„… muss ja ausgerechnet der Brite sagen…“

„… und von daher ist es sogar authentischer mit Regen. Kennst du nicht den Song von den Beginnern? Von wegen: ‚Der Winter is‘ hart, der Sommer ‘n Witz, der schöner Tag am Meer endet mit Donner und Blitz.‘“

„Ich bin noch nicht überzeugt.“

„Oder von Fettes Brot: ‚alle waren baden im Baggersee, dann gab’s ‘n Donnerschlag. Doch als ich schnell nach Hause wollte, fehlte mein Hollandrad.‘“

Musik: Matthew Tyas &#45; Folkloric Stuff</description>
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      <dc:date>2009-08-06T07:33:29+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 06 Aug 2009 07:33:29 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>50: Sandalen &amp;amp; Socken</title>
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      <description>„Brian, wie hast du dir die Bilder für die Folge jetzt hier gedacht?“

„Naja, weiß ich nicht. Du bist ja der Kameramann. Musst du wissen.“

„Ja, gut. In dem Fall: Wir machen erst mal eine Strecke, in der du mit Sandalen und Socken durchs Bild läufst.“

„Nein. Machen wir nicht.“

„Wie jetzt? Warum denn nicht?“

„Guck mal: Ich berichte über Mode in Deutschland: Um meine journalistische Unabhängigkeit angesichts des Themas deutlich rüberzubringen, sollte ich davon absehen. Außerdem sieht das scheiße aus.“

„Wenn das wirklich so ist, dann hättest du in der Folge Bier kein deutsches Bier trinken und in der Folge Spargel keinen Spargel essen sollen. Und weder beim Thema Pumpernickel noch bei Schinken die jeweiligen Erzeugnisse vor der Kamera verzehren sollen.“

„Nein, das sehe ich anders. Denn wir müssen die Bildsprache in den verschiedenen Folgen differenzierter angehen. Nun würde ich&#8230;“

„Brian: Halt’s Maul und geh dir mal Sandalen kaufen. Ich warte hier und rauche auf. Ich bin nämlich der Kameramann, ich muss es wissen. So. Fertig.“

Musik:&amp;nbsp; Cyril Pereira &#45; blacksheep desert</description>
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      <dc:date>2009-07-30T07:39:05+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 30 Jul 2009 07:39:05 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>49: Jugendherbergen</title>
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      <description>Sagen Sie mal einem Engländer, der solle in einer Jugendherberge übernachten. Ihm läuft wohl ein Schauer über den Rücken, als er an Fußpilze, Matratzenflecken und bekiffte Jugendliche denken muss.

Für ihn gibt es wohl nur noch eins unter der Jugendherberge: Die Straße. Und die Alternative ist gar nicht so schlimm. Es gibt ja auch Engländer, die die Straße einer Wohngemeinschaft vorziehen würden. Ein „Flatshare“ ist nämlich allenfalls eine Übergangslösung, längst keine Kultur wie in Deutschland.

Deutschland ist eben sehr auf die Gemeinschaftsideale ausgerichtet. Wohl deshalb wurde die Jugendherberge vor 100 Jahren hier geboren im sauerländischen Altena. Mittlerweile hat sie zwar einen internationalen Erfolg, doch nirgendwo habe ich solche saubere, schön gelegene Jugendherbergen erlebt wie im Heimatsland Deutschland, wo die Gäste noch gerne mit anpacken und die Gemeinschaftsideale pflegen…

Musik:&amp;nbsp; Cyril Pereira &#45; Darksable 2</description>
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      <dc:date>2009-07-23T08:41:31+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 23 Jul 2009 08:41:31 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>48: Fahrkarten</title>
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      <description>(Deutschland, Januar 2008) Sitzt ein junger, neu herübergezogener Engländer im Zug nach Dortmund. Kommt die Schaffnerin.

„Wie meinen Sie, ich könne nicht lösen?“

„Das hier ist ein Regional&#45;Express und gehört somit zum Regionalverkehr. Im Regionalverkehr müssen Sie vorher ein Ticket erworben haben. Nur im Intercity&#45;Verkehr dürfen Sie noch im Zug lösen.“

„Aber der hier fährt von Düsseldorf nach Dortmund. Das Wort Intercity heißt meines Erachtens zwischen Städten. Also bin ich im Intercity&#45;Verkehr.“

„Nein. Sie haben zwar Recht, dass auf dieser Strecke Intercity&#45;Züge fahren. Aber der hier ist ein Regional&#45;Express. Also kostet das Sie jetzt 40 Euro.“

„Gucken Sie mal: Ich bin Engländer. Ich weiß nicht, wie Ihre komischen Züge alle heißen. Nur weiß ich, dass wir in London Barrieren vor dem Bahnsteig haben, um anzudeuten, dass der Ticketerwerb vor der Fahrt zu erledigen ist. Hier ist es so, dass ich jederzeit in den Zug reindarf. Damit wollen Sie doch ansagen, dass ich noch später lösen darf. Und das habe ich beispielsweise letzte Woche auf dieser Strecke machen dürfen.“

„Hören Sie doch bitte mal auf. Sie Engländer? So wie Sie Deutsch sprechen? Mit einem Stapel deutscher Zeitungen neben Sich liegen? Zum Beispiel hier… Westfälische Rundschau. Liest kein Engländer. Vierzig Euro und is‘ gut hier!“

Musik: Matthew Tyas &#45; Underhanded pleasures</description>
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      <dc:date>2009-07-16T07:12:28+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 16 Jul 2009 07:12:28 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>47: Brustbehaarung</title>
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      <description>Ich hatte schon immer viel Körperhaar. Mit elf oder so nannte mich mein bester Kumpel „Gorilla“, weil ich schon viel Haar unter den Achseln hatte. Dann kam es der Reihe nach an der Oberlippe, an den Wangen, unter dem Kinn an. Mit dreizehn oder so musste ich dann mit dem Rasieren anfangen.

Zunächst war das natürlich was Spannendes, was Männliches. Aber schon nach zwei Wochen war der Reiz weg. Und der Juckreiz da. Und ich musste zehn Minuten früher aufstehen. Also ließ ich mir einen Bart wachsen, obwohl wir das eigentlich nicht durften an unserer typischen englischen Schule.

Meine Lehrer waren nicht begeistert. „Immer so ein vorbildlicher Schüler gewesen, Brian, und jetzt so was? Du kennst die Uniformregeln. Kein Bart!“ Ich habe aber darauf beha(a)rrt und wurde trotzdem zum Head Boy gewählt. Ich habe mich nie mehr rasiert.

Also sehe ich nicht ein, dass ich mir jetzt die Brust rasiere. Oder waxe. Oder was auch immer. Egal wie viele deutsche Frauen meine Brustbehaarung „ecklig“ finden. Schlimmstenfalls hole ich mir eine Engländerin: Zumindest die Brusthaare sind für mich in meinem Geburtsland noch nie Thema gewesen. 

Musik: Alexander Blu &#45; Man with long hair</description>
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      <dc:date>2009-07-09T07:22:46+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 09 Jul 2009 07:22:46 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>46: Deutscher Humor</title>
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      <description>Fragen Sie mal den Deutschen, wer das lustigste Volk auf Erde ist. Antworten wird er wohl: die Briten! Die Insel hat ja Monty Python und Mr. Bean, Blackadder und Fawlty Towers hervorgebracht. Am britischen Humor besonders zu schätzen seien die Wortspiele, die Ironie und Sarkasmus, sowie der schöne Understatement. Es gebe auch Einschläge von schwarzem Humor. Leider würden die Deutschen nur über Kindisches und Fäkales lachen.

Als in Deutschland lebender Brite vertrete ich eine differenziertere Meinung.&amp;nbsp; Die Deutschen lachen zwar durchaus über Körperausscheidungen in einem dem Briten unvorstellbaren Ausmaß, doch verstehen und genießen sie ebenfalls Ironie, Sarkasmus und Understatement.

Woher ich das weiß? Erstens braucht man sich nur die Alltagssprache anzuhören. Ironie: „So lustig wie eine Wurzelbehandlung“. Sarkasmus: „Na, toll!“. Understatement: „Er war nicht außerordentlich begeistert“ (wobei es sich hier um eine spezielle Form des Understatements handelt, Litotes. Aber nun gut).

Zweitens: Wenn die Deutschen kein höheres Humorverständnis hätten, würden sie diese britischen Klassiker ohnehin nicht komisch finden. Geschweige denn ihre eigenen Komiker: Wie Loriot, zum Beispiel. Jede Deutsche also, der die deutsche Humorlosigkeit beklagt und die englische Witzigkeit hoch lobt, verneint seine eigene Aussage.

Ist das nicht eine hübsche Ironie?

Musik:&amp;nbsp; Matthew Tyas &#45; Easy way out, Xcyril &#45; Suspence dans un film d&#8217;action</description>
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      <dc:date>2009-07-02T07:16:12+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 02 Jul 2009 07:16:12 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>45: Krimis</title>
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      <description>Deutschland ist, trotz Kirchensteuer und des lächerlichen Aufsehens um den Atheisten&#45;Bus, eigentlich kein sonderlich religiöses Land. Selbst in den katholischen Hochburgen wie Münster und Köln hat man das Gefühl, die Religion diene teilweise eher dem Zweck, Karneval ausgelassen zu feiern und sich ein paar Extra&#45;Feiertage zu gönnen.

Doch gerade in Köln und Münster, sowie in anderen, noch religionsfreieren Städten wie Hamburg und Berlin, gibt es einen Kult. Einen höchst erfolgreichen, denn seit seiner Gründung 1970 gewinnt er mit jedem Jahr neue Anhänger dazu, erschließt eine deutsche Stadt nach der anderen.

Die Anstifter sind lokale Kultführer, deren Namen längst bundesweite Bekanntschaft errungen haben: Namen wie Schimanski und Ballauf. Zum Verehren dieser charismatischer Führer werden die Anhänger immer Sonntags gebeten. 

Ja, der Kult heißt Tatort und er hat Deutschland fest im Griff. Nachahmer gibt es mittlerweile jede Menge: Großstadtrevier, Die Wache, einen gewissen Kommissar Rex.
Krimis sind die Rituale der deutschen Bevölkerung. Und das in einem Land, das Kriminalstatistikern zufolge eine der weltweit niedrigsten Mordraten hat.

Religionen enthalten eben immer ihre Widersprüche&#8230; 

Musik: Matthew Tyas &#45; Shame on Shame, Xcyril &#45; Elfman 01</description>
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      <dc:date>2009-06-25T14:34:22+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 25 Jun 2009 14:34:22 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>44: Handball</title>
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      <description>Die Hand Gottes. So nannte Diego Maradona das Handspiel, das Argentinien zu einem Tor und einem anschließenden Sieg gegen England im Viertelfinale der WM 1986 verhalf. 

Man muss sich das mal vorstellen: Der Typ befördert den Ball gegen die Regeln mit der Hand ins Tor und behauptet dann selbstzufrieden vor den Kameras, seine Hand gleiche der Hand Gottes. Die Briten waren ja nach dem Falklands&#45;Krieg eh nicht gut auf die Argentinier zu sprechen: und jetzt sowas!

Doch als gute, heuchlerische Kolonialherren setzten wir da eine Doppelmoral ein. Denn vor gut hundert Jahren, so die Erzählung, hatte ein Junge an der berühmten Rugby School den Fußball mit den Händen aufgegriffen und ihn so zum Tor gebracht. Statt Empörung gab es Jubel: Diese &#45; äh &#45;&amp;nbsp; Innovation soll die Basis für das Rugby gebildet haben.

Ob die Briten trotz der schmerzlichen Maradona&#45;Erfahrung immer noch so offen für Neues sind? Das werden wir spätestens 2012 erfahren, wenn Großbritannien seine erste Handball&#45;Mannschaft bekommt. Und wo werden sie ausgebildet? In Deutschland! Wo denn sonst?

Ob das mehrheitstauglich auf der Insel ist? Deutschland, der alte Fußball&#45;Feind, will uns jetzt eine Sportart verkaufen, dessen Name „Handball“ im Englischen „Handspiel“ zu bedeuten hat?
Naja, die Deutschen sind auf jeden Fall nicht in einem Geheimbund  mit Maradona. Die hat seine Mannschaft 1986 im Finale nämlich weggeputzt.

Musik: BrunoXeXcyril &#45; Semana Santa, #NarNaoud# &#45; Oriental Standing</description>
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      <dc:date>2009-06-18T07:28:11+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 18 Jun 2009 07:28:11 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>43: Freibad</title>
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      <description>„Brian, sag mal: geht’s noch bei dir? Wir haben nicht mal 15 Grad draußen, die Sonne hat sich bis auf weiteres in den Sommerurlaub verabschiedet und das da draußen ist schon mehr als nur ansatzweise Regen. Und da willst du noch ins Freibad?!“

„Aber klar! Die Freibad&#45;Saison ist nämlich nur fünf Monate lang.“

„Verstehe ich nicht. Is‘ doch nur ein Freibad, verdammt noch mal. Es läuft dir nicht weg. Es ist auch morgen da. Haste nie ein Freibad gesehen, oder wat?“

„Gewissermaßen. Es gibt keins in London.“

„Was?! Kein Freibad in einer Stadt wie London? Glaube ich dir nicht.“

„Okay &#45; das stimmt nicht ganz. Aber sagen wir es mal so: London hat 15 Freibäder auf fast acht Millionen Einwohner. In Berlin sind es meines Erachtens 30 Freibäder auf vier Millionen; in Hamburg 12 auf zwei Millionen; in Düsseldorf vier auf 500.000. Das heißt, London bräuchte 48 Freibäder, um sich mit Hamburg vergleichen zu können: oder 60 Stück, um eine ähnliche Dichte wie Berlin zu erreichen.“

„Wow. Heftig.“

„Nein: Heftig ist Essen, mit fünf Freibädern auf eine halbe Million. Da bräuchte London 80 – acht&#45;zig – Freibäder, um mit der Ruhrmetropole zu konkurrieren…“

„Nein. Ich meinte heftig, dass du dich mit so ‘nem Kram beschäftigst und auch noch die ganzen Zahlen parat hast. Darum stelle ich noch mal die Frage: Geht es überhaupt noch bei dir?“

Musik: Realze &#45; L&#8217;acteur sombre</description>
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      <dc:date>2009-06-11T07:52:15+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 11 Jun 2009 07:52:15 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>42: Sitzpinkler</title>
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      <description>„Nein, mein Liebling, du muss dein Zipfelchen beim Pinkeln mit der Hand festhalten – sonst spritzt es überall. Und wenn du das nicht hinkriegst, dann wirst du dich setzen müssen wie ein Mädchen. Und das willst du nun mal nicht, oder?“

„Nein, Mutti.“

„Sehr gut, mein Sohn. Falls es aber doch spritzt, mach bitte nachher sauber, ja?“

„Ja, Mutti.“

*

Diese kleine, sich immer wiederholende Szene aus meiner Kindheit ging natürlich mit englischem Originalton von statten. Wäre ich in Deutschland geboren, hätte sie wohl so nie stattgefunden – denn auf Deutsch sagt man nur: „Bitte im Sitzen pinkeln!“ 

Die armen deutschen Jungs können höchstens dann wie Männer im Stehen pinkeln, wenn sie unter sich sind und sich draußen befinden. Und dass viele ihren seit der Kindheit unterdrückten natürlichen Zwang unterwegs ausleben, lässt sich an den deutschen Bahnhöfen erriechen.

Der Versuch, deutschen Männern das Im&#45;Stehen&#45;Pinkeln abzugewöhnen, ist also noch nicht vollends gelungen. Ich hätte allerdings erst mal gerne gewusst, wer hinter diesem kühnen Versuch steckt?

Musik:&amp;nbsp; EHMA &#45; Pizzicato, Cyril Pereira &#45; Le cercle maudit (Soundtrack: The Revenge of Glory)</description>
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      <dc:date>2009-06-04T07:16:49+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 04 Jun 2009 07:16:49 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>41: Solewasser</title>
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      <description>Als Kind in England fand ich es immer super witzig, dass es einen Ort gab, der „Bath“ hieß. Ich wurde nämlich jeden Abend von meiner Mutter zu „Bathtime“ gerufen. Wir wohnten damals in einer Sozialwohnung: Im Thatcher’schen Großbritannien waren sie noch sehr schlecht ausgestattet. Dusche? Gab’s nicht. Nur baden konnte man.

In Deutschland hingegen habe ich noch nie eine Wohnung ohne Dusche gesehen. Dafür viele ohne Bad. Aber in warmem Wasser völlig abtauchen ist doch eine schöne Sache. Darum tragen viele Städte hier gerne das Prädikat „Bad“. Manch eine Stadt sogar zu gerne: Baden Baden, zum Beispiel.

Naja, wobei Bath in England eigentlich Bath Spa heißt, auch so eine Tautologie: Das heißt nämlich soviel wie „Bad Kurort“. Was allerdings in Ordnung ist, weil in ganz England nur in Bath eine Warmwasserquelle ist.

In Deutschland gibt es hingegen Bad Homburg, Bad Helmstedt, und Bad Kreuznach, Bad Dieses und Bad Jenes, Bad Oldesloe und Bad Faulenbach, wo zu hoffen bleibt, dass nur das Wort „Bad“ etwas über die Qualität der Wässer aussagt – „Bad“ im Deutschen übrigens und nicht „bad“ im Englischen, versteht sich.

Aber nach einem Namen sollte man ohnehin nicht beurteilen .Nach Äußerlichkeiten generell nicht. Im Großbritannien der 50er Jahre z. B. wurde noch in offiziellen Berichten geschrieben, es nutze nichts, Bäder in neuen Wohnungen zu installieren: „Die Mieter würden die eh’ nur zur Kohleaufbewahrung benutzen“.

Musik:&amp;nbsp; Andrea Barone &#45; Alabama , Mister Electric Demon &#45; Batman Loves My Dog</description>
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      <dc:date>2009-05-28T07:21:16+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 28 May 2009 07:21:16 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>40: Recycling</title>
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      <description>Es wird Deutschland oft nachgesagt, es sei ein Land mit einem ausgeprägten ökologischen Bewusstsein. Doch dieses Bewusstsein sucht man Samstagmorgens von Hamburg nach Köln der verstauten A1 entlang vergebens. Auch weiter südlich in der Opel&#45;Stadt Rüsselsheim oder im MAN&#45;Standort Augsburg ist es nicht zu finden. Am Wenigsten vielleicht in der Münchener BMW&#45;Zentrale, diesem Tempel des Automobils, ist es anzutreffen.

Wer allerdings an einem typischen Samstag in Deutschland in den Recyclinghöfen bundesweit vorbeischaut, der erblickt das deutsche Umweltbewusstsein. Die Leute sind zwar immer noch mit ihren Spritschluckern unterwegs, aber sie wollen dabei dem Planeten ein Gefallen tun: Alles von Pappkisten und Lämpchen bis zu Waschmaschinen und Flachbildschirmen wollen sie nämlich wiederverwerten lassen.

Denn wegschmeißen darf man solche Dinger nicht, oder? Darüber sind wir uns in Deutschland im Klaren. Ebenso über all das, was die tagtägliche Mülltrennung belangt. Wieso alles zusammenschmeißen, wo doch so viel davon wiederverwertet werden kann?

Fragen wir mal die Briten. Im Jahr 2006 recycelten sie gerade mal 18% ihres Abfalls &#45; die Deutschen schafften um die 60%. Nicht, dass die Briten an sich umweltfeindlich sind. Nur fehlt es ihnen an Anreize , zu recyceln. Mülltrennung gibt es in vielen Orten nicht. Auch werden sie nicht wie die Deutschen durch eine Abwrackprämie dazu angespornt, Gegenstände wie Alt&#45;Autos zu recyceln.
Naja, wo die Dinger doch so umweltschädlich sind, kann man sie zumindest nach dem Gebrauch erst mal wiederverwerten.

Musik:&amp;nbsp; Subatomicglue &#45; interlude , Cyril Pereira &#45; blacksheep jungle</description>
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      <dc:date>2009-05-22T18:19:56+00:00</dc:date>
      <pubDate>Fri, 22 May 2009 18:19:56 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>39: Spargel</title>
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      <description>Im Westen von England, so in der Nähe von Worcester &#45; ja, sie haben es beim Lesen falsch ausgesprochen. Ich habe es gehört! &#45; gibt es das Spargel&#45;Dreieck. Hier ist der Boden sandig und feucht, perfekt für den Spargelanbau.
 
Während meiner Studentenzeit im nicht sehr weit davon entfernten Oxford freute ich mich sehr auf das Sommersemester: Das bedeutete frischen britischen Spargel in Hülle und Fülle. Dicke, saftige Stangen, schön grün mit fast gelblichen Spitzen, die als leckere Beilage zu fast allem – insbesondere schöne Lammkoteletts – gute Figur machten.
 
Nach dem Umzug nach Deutschland gab’s erstmal kein Lamm mehr. Beziehungsweise nur zu Ostern und schon dann fragten mich die Leute, wie man den „lammigen Beigeschmack“ vom Lammfleisch mildern könnte. Eigentlich liebe ich die deutsche Küche, aber dieses gestörte Verhältnis zu Lammfleisch finde ich ziemlich lächerlich. 
 
Was allerdings nicht lächerlich ist, ist das deutsche Spargelessen. Eine Respekt einflößende Institution, wo alles nach einem über Jahren erprobten Schinken&#45;Schema abläuft. Und warum daran schrauben, wo das Ergebnis doch immer so lecker ist?
 
Da verzichte ich sogar gerne auf grünen Spargel. Wobei ich mich dann frage, wie man Spargel weiß bekommt, und warum man so etwas überhaupt tun möchte?


Musik:&amp;nbsp; Subatomicglue &#45; Feline, Subatomicglue &#45; A jetpack in hand</description>
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      <dc:date>2009-05-14T14:23:21+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 14 May 2009 14:23:21 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>38: Hunde</title>
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      <description>„Hatschi!“ &#45; „Gesundheit!“ &#45; „Danke.“

„Also, was du so sagen wolltest…“

„Ja, genau. Also, du, ich finde, also… Du bist ja zwar ein super Typ, aber… Hatschiiii!“

„Gesundheit!“

„Danke… Also, was ich sagen wollte. Ja. Zwischen uns… Also, es ist leider halt so, dass ich… Hatssschhhhiiiiiiiiiiiiiiiiiii!“

„Gesundheit!“

„Danke. Verdammte Hundefell&#45;Allergie. Ich finde, sie könnten den Köter hier echt mal draußen lassen. Also, wo waren wir stehen geblieben…?“

Ach, ich liebe Deutschland. In britischen Cafés, Restaurants und den meisten Pubs sind Hunde verboten. Sogar im ÖPNV liest man immer wieder „Keine Hunde &#45; außer Hilfshunde“.
Wären wir also in England, hätte sie bestimmt schon mit mir Schluss gemacht. Dank der deutschen Liebe zum Hund geht das aber zurzeit nicht.

„Hatschi!“

Ach, mögen die Deutschen ihren Hunden noch lange so großzügige Bewegungsfreiheit einrichten.

Musik:&amp;nbsp; Matthew Tyas &#45; Regretted times, LEGO &#45; Cuicui remix</description>
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      <dc:date>2009-05-04T20:58:01+00:00</dc:date>
      <pubDate>Mon, 04 May 2009 20:58:01 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>37: Schinken</title>
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      <description>Als ziemlicher Ökotyp sollte ich eigentlich kein Fleisch essen. Das Erzeugen von Fleischprodukten ist nämlich sehr viel belastender für die Umwelt, als der Anbau von Bohnen und Gemüse: Und letztere haben eigentlich fast alle Eiweißelemente und Spurenelemente, die der Körper braucht.

Schmecken tun sie auch. Vegetarische Linsensuppe: Köstlich. Canneloni&#45;Bohnen&#45;Püree: Ein Genuss. Kross gebratener Tofu:&amp;nbsp; Gerade essbar.

Also, ich esse schon weniger Fleisch, als der Normalbürger das tut. Doch ich kann nicht zum Vegetarier werden. Vor allem nicht in Deutschland, wo Speck, Blutwurst &amp;amp; Co mich an jedem Fleischerstand auf dem Wochenmarkt angrinsen.

Ich gehe also eine Art Kompromiss ein: Ich versuche, nicht allzu viel Fleisch zu verdrücken. Ich benutze geringen Mengen an Speckwürfeln; eher um Gerichte zu würzen, statt große Fleischstücke zu verzehren. Ich esse auch noch die Teile vom Tier, die sonst keiner will, damit die nicht verschwendet werden.

Nur bei Schinken kann ich mich oft kaum beherrschen.

Musik:&amp;nbsp; Orco &#45; Snow in my TV, Xcyril &#45; Elfman 01</description>
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      <dc:date>2009-04-29T23:36:57+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 29 Apr 2009 23:36:57 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>36: Münster</title>
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      <description>Lange Zeit herrschte bei mir größte Verwirrung ums Wort Münster. Ich wusste wirklich nicht, ob es sich dabei um eine Stadt in Frankreich, eine Stadt in Deutschland, eine Kirche oder sogar um einen Käse handelte.

Als ich dann letztes Jahr kurz Praktikum in Münster in Westfalen machte, stellte ich fest, dass alle vier Möglichkeiten richtig sind: Und es kommt noch eine fünfte dazu – Münster ist nämlich der Name von nicht nur einer Stadt in Deutschland, sondern von vielen Städten in Deutschland.

Für Sie ist es wohl jedoch immer selbstverständlich gewesen, dass Münster in Westfalen liegt. Gucken Sie aber kurz mal selber nach: Geben Sie Münster bei Tante Wiki ein, zählen Sie und staunen Sie dann.

Von wegen Staunen: Eigentlich ist es unter den Voraussetzungen erstaunlich, dass ich so ziemlich der einzige bin, der auf den Münsterbegriff lange nicht klargekommen ist.

Musik: Yue &#45; Lec Refrigeration Team</description>
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      <dc:date>2009-04-23T10:13:54+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 23 Apr 2009 10:13:54 +0000</pubDate>
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      <title>35: Stadtbahn 2.0</title>
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      <description>Die U&#45;Bahn und die Straßenbahn: Zwei ziemlich unterschiedliche Verkehrsmittel. Die eine Bahn fährt meistens unterirdisch, die andere auf Straßenebene. Lässt sich ja doch schon von den Namen ableiten.

Oder halt eben nicht: Straßenbahnen fahren zwar in der Tat auf der Straße. Doch hat das U in U&#45;Bahn sehr wenig mit „unterirdisch“ zu tun, wie ich bei der Rheinbahn in Düsseldorf lernte. Immerhin werden diese zwei Systeme in vielen deutschen Städten durcheinander gemischt, was zu einen sehr gut funktionierenden, im Vergleich zu englischen Städten fast futuristischen Verkehrsnetz führt.

Ein anderes entgegengesetztes Paar, das man allerdings nicht mischen soll, wenn man es irgendwie umhin kann, bilden Schalke 04&#45; und Borussia Dortmund&#45;Fans. Und gerade in den öffentlichen Verkehrsmitteln der stolzen Emscherstadt an Spielsamstagen stoßen die beiden aufeinander…

Musik: Likantropika &#45; UFO clockwork, Subatomicglue &#45; Theme1</description>
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      <dc:date>2009-04-15T21:59:14+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 15 Apr 2009 21:59:14 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>34: Duisburger Hafen</title>
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      <description>Duisburg ist mit fast der kompletten Ausstattung einer großen Hafenstadt versehen: Es hat Kais, es hat Schiffe, und es kommen gelegentlich Möwen. Dann gibt es die erforderlichen Logistikbetriebe, die das städtische Straßennetz mit LKWs vollspeisen und die Bevölkerung zu mehr als die Hälfte beschäftigen.

Nicht zuletzt lebt eine rege Vergnügungsindustrie wohl zum größten Teil vom Hafen: Eine bekannte Duisburger Biermarke hat einmal gesagt, auf ein gutes Pils wartet man 7 Sekunden. Viel länger werden die geilen Matrosen im Riesen&#45;Puff  nicht warten müssen.

Doch was mir in Duisburg für einen Hafenstadt fehlt ist Wasser. Es fließen zwar zwei wichtige Gewässer in der Stadt zusammen. Doch selbst dort, wo die Ruhr in den Vater Rhein fließt, hat man irgendwie nicht diesen weiten Blick über große Wässer. Das hat man eher in Bremerhaven und Rotterdam.

Ja, von wegen Rotterdam: Der ist Europas größte Hafen und liegt nur Hundert Kilometer flussabwärts, fast am Meer. Warum wird Duisburg also noch als Hafen betrieben?

Musik: Antony Raijekov &#45; Lightnin, StrangeZero &#45; Except flying</description>
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      <dc:date>2009-04-09T11:56:09+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 09 Apr 2009 11:56:09 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>33: Pumpernickel</title>
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      <description>Die Deutschen sind für ihre Teigerzeugnisse nun sehr bekannt. Doch nicht jeder findet sie so lecker, wie ich und die 80 Millionen deutschen Bundesbürger.

Für viele Briten sowie Südländer, die luftigere, weniger ballaststoffreiche und reichhaltige Brote gewohnt sind, ist die Umstellung auf Roggenbrot, Graubrot und Schwarzbrot etwas schwierig. Vor allem sehr dunkle Laibe wie das westfälische Pumpernickel bilden einen besonders starken Kontrast zu dem Papp&#45;„Brot“, mit dem die Inselaffen gefüttert werden.

Dabei machen viele im Ausland ihre ersten Erfahrungen mit deutschen Brotsorten gerade durch Pumpernickel. Denn der leckere Laib aus Roggenschrot wird als Delikatesse exportiert. Und vielen ist das schwarze, feste Brot einfach zu krass.

Napoleon zum Beispiel &#45; so wird volksetymologisch berichtet &#45; war der Meinung, Pumpernickel sei nur „pain pour Nicole“, sein Pferd, und verlieh dem Brot so seinen Namen. Doch finde ich das unwahrscheinlich. Ich denke eher, der Silbe „&#45;nickel“ ist wohl nicht umsonst im Namen erhalten.

Musik: BrunoXe &#45; Semana Santa, Alexander Blu &#45; Childhood (lullaby)</description>
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      <dc:date>2009-04-02T04:35:19+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 02 Apr 2009 04:35:19 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>32: Fernsehtürme (2)</title>
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      <description>In meiner Zeit als angehender Redakteur lernte ich einen Satz zu fürchten: „Da müssen wir nochmal ran.“ Das bedeutete, mein Vorgesetzter war von der Geschichte nicht überzeugt. „Was hast du noch im Block?“ fragte er immer im Anschluss.

Meistens wollte er genau das wissen, was ich bei der Recherche als unwesentlich empfunden und entsprechend außer Betracht gelassen hatte. Es lief fast immer darauf hinaus: Noch ein Telefonat, oder schlimmstenfalls noch einen Termin.

Damals war ich davon oft ziemlich genervt. Jetzt bin ich allerdings der Redakteur und damit dafür verantwortlich, dass eine Geschichte informativ und investigativ gestaltet wird. So war ich zu meinem Kameramann gnadenlos, als er meckerte, das Thema Fernsehtürme hätten wir schon mal gemacht.

„Ich bin der Meinung, da steckt mehr hinter, als wir haben aufdecken können. An die Geschichte müssen wir auf jeden Fall nochmal ran.“

Musik: BrunoXe &#45; Cuatro Rápido, Binary Mind &#45; L&#8217;Heure</description>
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      <dc:date>2009-03-26T13:38:16+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 26 Mar 2009 13:38:16 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>31: Hansestadt</title>
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      <description>Wer sich als Ausländer mit der Logik der deutschen Autokennzeichnen befasst, dem stößt so manches auf. Denn viele Städte werden weder namensgerecht noch verständlich dargestellt.

Dabei ist es ja nicht zu erwarten, dass Bremen sich mit „B“ kennzeichnet. Berlin hat als Hauptstadt natürlich Anspruch auf den heiß begehrten Buchstaben. Noch bei „D“ für Düsseldorf kann man trotz allem Ordnungsbedarf  Verständnis an den Tag legen: Denn Dortmund mag zwar größer sein als die Rheinstadt, doch ist Düsseldorf nun mal Landeshauptstadt.

Wieso sich aber Hannover das „H“ eintüten konnte, während die deutlich größere, wichtigere und schönere Stadt Hamburg sich mit „HH“ abfinden musste, das bleibt mir schleierhaft. Nicht einmal das „HA“ blieb der bedeutenden Elbmetropole zur Verfügung: Das verschlafene Hamm war da schon eingesprungen.

„HH“. Dabei gibt es ja nur ein H in „Hamburg“. Es sei denn, die Stadt buchstabiert sich neuerdings phonetisch. Aber warum dann „HB“ für Bremen statt „BR“? Oder „HRO“ für Rostock statt „RO“? 

Musik: Xcyril &#45; La decouverte et la conquete, Vulsor &#45; Valsor</description>
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      <dc:date>2009-03-19T02:13:19+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 19 Mar 2009 02:13:19 +0000</pubDate>
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      <title>30: Hellweg</title>
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      <description>Der Frühling kommt zwar immer näher, die Tage werden zwar immer länger: und doch sind die Tage in der nördlichen Hälfte von Deutschland oft sehr dunkel. Wolken bedecken den Himmel und gießen Regen auf jede Stadt, in der ich mich in letzter Zeit aufgehalten habe. Köln, Düsseldorf, Hamburg: Nur Regen.

Auch auf dem Dortmunder Hellweg regnet es aus dem grauen Himmel. Zu dieser Dunkelheit gesellt sich zunehmend der  Abend: Bald wird es Nacht sein. Und dann wird nichts am Hellweg „hell“ sein, außer den grellen Lichtern der Schaufenster.

Bei so einem Wetter während der Dämmerung werde ich öfter nachdenklich. „Wieso heißt es denn überhaupt Hellweg“, frage ich mich, „wo es doch so dunkel ist?“ Kein Mensch scheint sich mit dieser Frage zu beschäftigen: Einkäufe werden erledigt, Kaffee wird getrunken, Händchen werden gehalten.

Doch solange die sprachlogische Grundlage der Haupteinkaufstraße der Dortmunder Innenstadt nicht geklärt ist, kann ich mich nicht anschließen. Ich bin nun mal Journalist und gelernter Sprachwissenschaftler.

Musik: Matthew Tyas &#45; Shame on shame, Alexander Blu &#45; New day</description>
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      <dc:date>2009-03-12T13:00:27+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 12 Mar 2009 13:00:27 +0000</pubDate>
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      <title>29: Püttrologe</title>
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      <description>&#8220;Tach!&#8221;

Mit diesem Staccato&#45;Gruß kommt der fremde Typ auf mich zu.

&#8220;Tach auch!&#8221; erwidere ich, nicht ohne Stolz.

Ich habe nämlich gelernt, wie man in dem Fall authentisch zurückgrüßt. An der Uni wurde so was natürlich nicht unterrichtet, aber ich erfreue mich eines gesunden Menschenverstandes und einer gewissen Fähigkeit, auf die Menschen in meiner Umgebung einzugehen.

&#8220;Na, du bist mir vielleicht ein Püttrologe.&#8221;

Hm. Da stoße ich allerdings schon an meine Grenzen.

&#8220;Äh, Püttro&#8230; Püttrologe?&#8221;

Biologe &#45; Biologie. Püttrologe&#8230; Was ist denn die Püttrologie?

&#8220;Ja, du kannst mir vielleicht ein Püttrologe sein.&#8221;

&#8220;Nein. Ich bin zwar Sprachwissenschaftler, studierter Romanist und Germanist. Aber leider kein Püttrologe.&#8221;

Er guckt mich verwirrt an, sagt &#8220;Glück auf&#8221; und eilt zum nächsten Passanten: &#8220;Vielleicht bist du mir ein Püttrologe: Wie komme ich zum Bahnhof?&#8221;

Ich erschließe den Zusammenhang nicht: Was ist Püttrologie und was hat das mit Bahnhöfen zu tun? Ich verstehe mal wieder nur Bahnhof. Gelernter Germanist und immer noch vor Ruhrgebietsdeutsch ahnungslos. So ein Mist.

Wenn dat so weiter geht, isses für mich Schicht im Schacht.


Musik: Yue &#45; The Tube, T r y ^ d &#45; Lovely</description>
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      <dc:date>2009-03-05T01:00:20+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 05 Mar 2009 01:00:20 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>28: Karneval</title>
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      <description>„London ist doch eine tolle Stadt. Was zieht dich überhaupt nach Deutschland?&#8221;

Die Frage stellen mir viele, wenn sie von meiner britischen Herkunft erfahren.

„Ja, London ist doch toll. Aber es ist mir viel angenehmer in Deutschland. Auf tagtägliche Ebene, meine ich. Es ist hier ruhiger, höflicher, sauberer. Die Leute grüßen sich noch und recyceln brav ihren Müll. Und was mich immer in meinem Heimatland gestört hat, war das exzessive Trinkverhalten, die Tatsache, dass es freitag&#45; und samstagabends in jeder Stadtmitte Kriegszustände herrschen. Das ganze zerbrochene Glas auf der Straße, der Pinkelgeruch in jeder Ecke… Ich meine, Feiern ist ja schön und gut, aber wenn es solche Ausmaße annimmt…&#8221;

„… Aber was ist mit Karneval? Eigentlich ist Deutschland nicht so das saubere, moderate Land dann, oder?&#8221;

„Stimmt. Karneval ist in der Tat eine Ausnahme – ich korrigiere – Eine riesengroße Ausnahme. Immerhin grüßen sich die Leute noch, statt sich massenhaft zu prügeln.&#8221;

„Es sei denn, du sagst Helau in Köln oder Alaaf in Düsseldorf.&#8221;

„Ach komm: ich glaube nicht, dass die Jecken sich so anstellen. Oder?&#8221;

Musik: Xcyril &#45; Samba Bossa</description>
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      <dc:date>2009-02-24T15:02:03+00:00</dc:date>
      <pubDate>Tue, 24 Feb 2009 15:02:03 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>27: Schlösser</title>
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      <description>Als Engländer muss man sich immer wieder reinziehen, wie jung Deutschland ist. Die Grenzen von England wurden schon vor dem ersten Millennium festgelegt. Dazu kamen im Laufe der Jahrhunderte Wales und Schottland, sowie Irland. Bis auf ein paar Ausnahmen ist das alles so erhalten geblieben und alles souverän von London aus regiert worden.

Das jetzige Geltungsgebiet des bundesdeutschen Rechtes besteht hingegen erst seit 20 Jahren. Davor waren die Grenzen auch eher, äh, mobil. Und bis 1871 existierte Deutschland erstmal noch gar nicht.

Es bestand aus vielen, sich immer wieder anzickenden und angreifenden Kleinstaaten und Freien Städten, Fürstentümern und Pfalzen. Überall wurde über Jahrhunderte hinweg um die Herrschaft über eine bestimmte Region gestritten.

Naja, gestritten ist gut. Oft Waffen kamen zum Einsatz. Häuser und Menschen gingen in Flammen auf. Doch hat diese blutige Geschichte für den modernen deutschen Bürger einen Riesenvorteil: Überall, wo früher Grenzen verliefen, wurden Schlösser und Ritterburgen errichtet, die heute noch die Landschaft prägen. Und diese sind nicht nur schön, sondern dürften meines Erachtens eine lukrative Geldquelle darstellen.

Musik: Raphaël Badawi &#45; Fuer Lucille&amp;nbsp;</description>
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      <dc:date>2009-02-18T22:01:48+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 18 Feb 2009 22:01:48 +0000</pubDate>
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      <title>26: H&#45;Bahn</title>
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      <description>Manchmal befürchte ich, ich werde zu Deutsch. Es ist für mich nämlich schon vollkommen normal, dass ich tagtäglich leckeres Brot und Bier für wenig Geld zu mir nehme, dass bewaffnete Zivilisten im Sommer durch die Straßen ziehen und dass jede Stadt gut mit Schwimmbädern ausgestattet ist.

Gefährlich. Wenn ich mich nämlich zu sehr eindeutsche, könnte es irgendwann mal vorkommen, dass ich nicht mehr Lost in Deutschland schreiben kann. Ich meine, ich finde es nicht mehr einmal verwunderlich, dass Wagen im Schienenfernverkehr durchnummeriert sind, damit man im richtigen Bereich am Bahnsteig warten kann, verdammt nochmal!

Doch beim Thema Bahn keimt schon wieder eine neue Idee: Die komplexe Vielfalt der Bahnbezeichnungen in Deutschland wird für mich lebenslang ein Thema sein. Kaum hatte ich die Straßenbahn&#45;U&#45;Bahn&#45;Kreuzung Stadtbahn verstanden, prasselte auf mich die Schwebebahn nieder. In Hamburg fährt neben der S&#45;Bahn die A&#45;Bahn. Die S&#45;Bahn ist bundesweit schlecht von der RB abgegrenzt. Die wiederum ist oft mit dem RE zu verwechseln.

Und dann hörte ich von der Dortmunder H&#45;Bahn. Was könnte das denn nun sein?

Musik: BrunoXe &#45; Short Sample</description>
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      <dc:date>2009-02-12T02:56:13+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 12 Feb 2009 02:56:13 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>25: Anglizismen</title>
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      <description>Es ist 17:30 und die U&#45;Bahn  &#45; oder Straßenbahn, oder Stadtbahn, oder Was&#45;Auch&#45;Immer&#45;Bahn &#45; ist voll. Überall klingeln lauter Mobiltelefone, deren sich beanzugte Typen mit gegellten Haaren bedienen.&amp;nbsp; 

„…sorry, Mensch. Das hatte ich nicht realisiert. Bin gleich bei dir, dann können wir drüber talken. Bye!&#8221;

„… ja, aber von der Compatibility her ist das ganz easy… Einfach nur eine Frage von Learning by doing, damit man alle Issues beseitigt.&#8221;

„Genau… Den muss ich gleich vom Airport abholen… Nee, wir haben ein Catering für den Evening reingeordert… Richtig, sowie beim letzten Mal, schön mit Finger Food.&#8221;

Der eine redet lauter als das andere. Die ganze Bahn soll nämlich mitkriegen, dass diese Haudegen der deutschen Wirtschaft mit Ihren Blackberrys und Huge&#45;Boss&#45;Brieftaschen so international, so kosmopolit sind, dass sie ihre eigene Sprache kaum mehr können.

„Pure Angeberei&#8221;, denke ich mir.

Dann klingelt&#8217;s bei einer etwas älteren Dame, die ungeübt mit den beiden Händen drückt, um den Anruf anzunehmen und das Gerät langsam zum Ohr führt.

„Ja hallo? Ah Frau Brauer, ich grüße Sie! Ja, ganz gut… Nein, ich war gerade in der City; es waren nämlich die Sales… Genau, ausgeshoppt. Mein wird nicht gut mir zu sprechen sein… Nee, Sie erreichen mich jetzt übers – wie heißt das Ding noch &#45; übers Handy. Ja, hat mir meine Tochter vor einiger Zeit geschenkt…&#8221;

Musik: Alexander Blu &#45; Man with long hair</description>
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      <dc:date>2009-02-05T02:16:18+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 05 Feb 2009 02:16:18 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>24: Harkort</title>
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      <description>Eine Sache, die amerikanischen Freunden von mir in Europa immer wieder auffällt: Die urigen Orts&#45; und Straßennamen. In den Staaten heißt in fast jeder Stadt die Haupteinkaufsmeile logischerweise &#8220;Main Street&#8221; &#45; etwa &#8220;Hauptstraße&#8221;. Und die Städte selber tragen ja scharenweise 0815&#45;Namen wie Fairview (Schön Aussicht), Riverside (Am Ufer) oder Centerville (Zentrale Stadt).

Deshalb finden sie in Großbritannien unsere Crickleworths, unsere Newcastle&#45;under&#45;Lymes, unsere Swiss Cottages &#45; wo gar nichts aus der Schweiz zu finden ist – schon ausgefallen.

Könnten Sie allerdings einmal Deutsch, da würde der Spaß mit Ortsnamen erst richtig anfangen. Vom reimenden Langewannewegen über onomatopäisch&#45;anmutende Klangstraßen bis zu den appetitlichen Essens und Hamburgs. Und – weil ich&#8217;s nicht lassen kann &#45; die einfach lustigen Geilenkirchen und Sexdorfs.

 

Und ein Name, der weniger lustig ist, der allerdings immer wieder auftaucht &#45; vor allem in Ruhrgebiet: Harkort. Diesen Namen hätte ich gerne mal erklärt bekommen. Arschstedt oder Wixhausen oder so was – denen möchte ich erst gar nicht auf den Grund gehen. 

Musik: Matthew Tyas &#45;&amp;nbsp; Regretted Times</description>
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      <dc:date>2009-01-29T12:21:28+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 29 Jan 2009 12:21:28 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>23: Grünkohl</title>
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      <description>„Das macht den Kohl allerdings nicht fett, oder?&#8221; 

Ratter, ratter, ratter: Was kann er damit meinen? Ich stehe ahnungslos da, will mich aber nicht bloßstellen.

Kohl? Fett? Hm. Ich denke mal drüber nach. Erstmal nichts aussagekräftiges sagen und hoffen, dass er noch mal auf das Thema zurückkommt.

„Äh, nein. Tut es nicht.&#8221;

„Das heißt, wir müssen etwas mehr Geld für die Arbeit verlangen.&#8221;

Ach so, alles klar:

„Ja, bin ich auch der Meinung.&#8221;
 

*

Eine Woche später setzen wir uns noch mal zusammen.

„So, es ist soweit. Der Kunde hat zugesagt und zahlt den höheren Preis.&#8221;

„Das finde ich super!&#8221;

„Wollen wir das nicht mit einem leckeren Grünkohlessen feiern?&#8221;

Ach! Was ist es mit den Deutschen und ihrem Kohl? Selbst, wenn er mit Pinkel serviert wird, essen sie das Zeugs&#8230; Ist das nicht irgendwie gesundheitsschädlich?

Musik: Binary Mind &#45; Devant</description>
      <dc:subject></dc:subject>
      <dc:date>2009-01-21T22:01:29+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 21 Jan 2009 22:01:29 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>22: Sauerland</title>
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      <description>Wir legen recht früh los. „Müssen wir ja!&#8221;, sagt mein Reiseführer entschuldigend, „Ist doch in Winterberg schon vormittags die Hölle los.&#8221; Ich bibbere in der dunklen Kälte weiter. Warum musste ich bloß den spekulativen Wunsch äußern, das Sauerland, jenes unbekannte Gebiet auf meiner NRW&#45;Karte, zu erkunden?

Die Sonne geht erst auf, als wir schon im Sauerland sind: Die hohen Talwände halten uns dann noch länger im Schatten gefangen. Als ich endlich etwas von der Landschaft erkenne, merke ich, wie kalt und rau es hier oben ist: Jedes Geäst in jedem Baum auf jedem Berg hat eine dichte Eisschicht.

Mit zunehmendem Tageslicht fange ich an, die Autoschilder zu erkennen: RE, DU, BO, DU, E, einige sogar aus MS, HH oder B. Und dann jene gelben Schilder – jede Menge – die alle durchnummeriert sind. Die aus Holland. Jedes Mal, wenn ich so ein ausländisches Auto sehe, schreie ich und haue den Reiseführer eins auf den Arm. So haben wir das als Kinder immer gemacht, wenn wir auf Schulausflug waren.

Die Autoschilder vermehren sich. So auch meine Faustschläge. Kurz vor Winterberg stecken wir im Stau. Dem Reiseführer wird&#8217;s kribbelig. Um ihn von seiner wachsenden Wut abzulenken, plaudere ich drauf los: „Woher kommt denn der Name Sauerland? Ich habe gelesen, dass „sauer&#8221; im Mittelhochdeutschen „süd&#8221; hieß und dass das Sauerland eben südlich der großen Hansestädte lag. Ich habe allerdings auch gelesen, dass&#8230;&#8221;

„Brian, halt&#8217;s Maul, verdammt noch mal!&#8221;

„Oder vielleicht heißt es Sauerland, weil alle, die hier schon Samstagmorgens im Stau stecken, wahnsinnig sauer werden?&#8221;

Diesen Gedanken bringe ich allerdings nicht zum Ausdruck.

Musik: Matthew Tyas &#45; David&#8217;s day out</description>
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      <dc:date>2009-01-14T22:01:33+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 14 Jan 2009 22:01:33 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>21: Ewige Studenten</title>
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      <description>„Wow, was bist du denn für ein Hochbegabter! Oxford&#45;Studium schon hinter dir mit 23! Beneidenswert! Welch Intelligenz!&#8221;

Ich erlaube mir es, kurz in der Verehrung zu baden, in diesen großen, bewundernden Augen. Und dann &#45; weil alles andere unehrlich wäre – kläre ich meine Gesprächspartnerin auf.

„Naja, es ist so, dass wir in Großbritannien sowieso nur 12 Jahre zur  Schule gehen und dann außerdem keinen Wehrdienst haben. Die Regelstudienzeit wird übrigens von der Uni auch schon mal vorgegeben: Also weiß man schon von vornherein, dass das Studium 3, maximal 4 Jahre dauert. Da muss man sich nicht sonderlich anstrengen, um schnell fertig zu werden.&#8221;

Der vergötternde Blick schmilzt weg und wird durch ein etwas kritischeres Antlitz ersetzt.

„Aber, äh, ja: Ich war immerhin an der Uni Oxford.&#8221;

Also, das war es dann. Noch eine Chance vergeigt, meinen etwas einzigartigen Lebenslauf auszunutzen. Das Mädel macht auf dem Absatz kehrt und sucht das Weite.

Wenn ich bloß nicht immer diese journalistische Verpflichtung zur Wahrheit spüren würde.

Musik: Matthew Tyas &#45; Easy Way Out, T r y ^ d &#45; This</description>
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      <dc:date>2009-01-08T12:06:46+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 08 Jan 2009 12:06:46 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>20: Benrather Linie</title>
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      <description>Vor den ersten Linguistik&#45;Vorlesungen an der Uni versuchte ich mir vorzustellen, wie die wohl „Die Geschichte und die Entwicklung der deutschen Sprache&#8221; überhaupt begreiflich machen wollten. Deutschlandkärtchen mit Anweisungen, in welcher Region man sich welcher Wörter bedient? Würde mich freuen, wäre aber etwas vereinfacht: Deutsche Sprache, schwere Sprache, halt. „Träum weiter, Brian&#8221;, dachte ich mir, und bereitete mich auf Schlimmes vor.

Quasi als erstes wurden uns bedenklich dick aussehende Unterlagen verabreicht: Ich überlegte mir schon, ob ich nicht schon nach Hause gehe. Doch die Augen des alten Dozenten funkelten unter seinen buschigen Augenbrauen als ob er verrückt wäre. Er steht jetzt zwischen mir und der Tür. Ich wage es nicht, mich zu bewegen.

Er fängt an, voller Leidenschaft von der Entwicklung der germanischen Sprachen zu erzählen. Ich bin sofort gebannt: Die westgermanischen, die nordgermanischen, die ausgestorbenen ostgermanischen Sprachen; die nahe Verwandtschaft des Plattdeutschen mit den skandinavischen Mundarten und dem Englischen; die erste und zweite Lautverschiebung&#8230; Ich blicke kurz auf meine Unterlagen runter und &#45; siehe da &#45; lauter Deutschlandkärtchen.

Auf der ersten steht über Norddeutschland ein „ik&#8221;. Über Bayern hat man ein „ich&#8221; gedruckt. Und in der Mitte ist eine Linie gezogen worden. „Benrather Linie&#8221; steht dort kleingedruckt. So einfach kann Sprachwissenschaft doch sein.

Musik: Cyril Pereira &#45; Darksable 2, Gerador Zero &#45; oggenc &#45;q 6 $x</description>
      <dc:subject></dc:subject>
      <dc:date>2009-01-01T04:00:11+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 01 Jan 2009 04:00:11 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>19: Zwanzigeins</title>
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      <description>Es gibt da in England so ein altes Kinderlied, das „Four and twenty Blackbirds baked in a pie&#8221; heißt. Als in der Grundschule die anderen Kinder freudig mitsangen, trübten mir immer zwei Sachen den Spaß. Erstens: Wer würde denn auf die Idee kommen, vierundzwanzig lebendige Amseln unter einer Teighaube zu backen? Zweitens, und noch bedenklicher: Warum hieß es plötzlich „four and twenty&#8221; und nicht mehr „twenty&#45;four&#8221;?

Später auf dem Gymnasium wurde Shakespeare studiert. Auch dort fand ich „one and twenty&#8221; statt des üblichen „twenty&#45;one&#8221;. In unseren Ohren klang das nun ganz poetisch, denn die verdrehten Zahlen dufteten nach dem längst verlorenen Altenglischen, bereinigt von langweiligen modernen Wörtern wie „Standardised Assessment Tests&#8221; und „General Certificate of Education&#8221;,die unser Schulleben damals so prägten. Deshalb war ich also dann auch begeistert von den deutschen Nummern, als ich sie lernte. Sprechen wie zu den Zeiten des alten Theater&#45;Genies!

Schwedisch lernte ich irgendwann mal noch dazu und stellte mit Bedauern fest, dass diese Sprache genau wie die englische die schöne, aber freilich umständliche altgermanische Sprechweise abgelegt hatte. Es drängte sich also die Frage auf: Warum verdrehen die Deutschen immer noch die Zahlen? Beim Verein Zwanzig&#45;Eins ließ ich mich aufklären.&amp;nbsp; 

Mehr zum Thema: Interview mit Lothar Gerritzen.

Musik: Alexander Blu &#45; Teacher, French Collective &#45; Superkawai (by Kaneel)</description>
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      <dc:date>2008-12-18T01:07:56+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 18 Dec 2008 01:07:56 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>18: Weihnachtsmarkt</title>
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      <description>Weihnachtsmärkte gibt es erst seit einem paar Jahren in meinem Heimatsland: Die werden natürlich von Deutschen betrieben, die so etwas wie eine Marktlücke da ausgespäht haben.

Als ich dort zum ersten Mal diese sehr un&#45;britische, mitteleuropäische Holzstände sah, kamen die mir wie bekannt vor. Wo hatte ich nun so was schon vorher gesehen?

Tage später fiel es mir ein: Märchen. In meinen Kinderbüchern zu Hause hatte ich schöne Illustrationen von solchen Waldhütten gesehen – die deutschen Märchen spielen oft in so einem Haus ab.

Und das sind öfter die Märchen, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lassen: Hänsl und Gretel vor allen Dingen. Das Haus sah so schön schnuckelig aus und war aus Lebkuchen&#8230; Ganz wie auf dem Weihnachtsmarkt. Es wäre aber geradezu wahnsinnig, da eine Verbindung zu sehen&#8230; Oder?

Musik: Real Rice &#45; Tour de manège</description>
      <dc:subject></dc:subject>
      <dc:date>2008-12-10T22:48:47+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 10 Dec 2008 22:48:47 +0000</pubDate>
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      <title>17: Zoo</title>
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      <description>Zooland Deutschland: Berlin Zoologischer Garten, einst ein Hauptbahnhof in der deutschen Hauptstadt; Hagenbecks Tierpark, eine Haltestelle an der Hamburger U2; Dortmund Zoo, ebenfalls eine Haltestelle an der dortigen U49; In Wuppertal halten S&#45; und Regional&#45;Bahnen im Zoo&#45;Bahnhof, und in Duisburg könnten Passagiere der 901 aufgrund des Bahnhofnamens „Zoo/Uni&#8221; den Eindruck abgewinnen, die Uni und der Zoo stünden unter derselben Verwaltung.

Tun sie ja auch wohl. Benutzt man doch in Hamburg schon das Wort „Senatsgehege&#8221;, um den Innenhof des hanseatischen Parlaments zu beschreiben: Ganze Städte in Deutschland werden von Tieren regiert. Kein Wunder also, dass die Tieren die öffentlichen Verkehrsmittel mit ihrer eigenen Geographie prägen: Der Zoo ist das Land und das Land ist der Zoo.

Die Frage drängt sich also auf, wie lange wir es noch dulden, dass wir von Tieren regiert werden. Schließlich bin ich dem Königreich unter anderen aus dem Grund entflohen, dass ich nicht so gerne als „Untertan&#8221; eines pferdartig aussehenden britischen Monarchen bezeichnet werde. Einer Herrschaft der Tiere werde ich mich in Deutschland auch auf keinen Fall unterwerfen.

Musik: Subatomicglue &#45; Bugeater, BrunoXe &#45; Chill Out</description>
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      <dc:date>2008-12-04T01:21:13+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 04 Dec 2008 01:21:13 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>16: Teatime</title>
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      <description>Jeden Morgen eine Tasse Tee liebevoll vor die Tür zum Schlafzimmer gestellt, wie es sich in einem englischen Haushalt gehört. Und jeden Morgen kippte ich den Scheiß weg und machte mir schnell einen Kaffee.

Nach ein paar Jahren fragte mich meine Mutter, ob ich überhaupt Tee trinke. „Nein, das habe dir mehrmals gesagt: Ich mag Kaffee.&#8221; Tja, denn trotz der besten Bemühungen meiner Mutter &#45; und trotz meiner britischen Staatsbürgerschaft &#45; mag ich einfach keinen Tee.

Noch ein verpflegungsbezogener Grund mehr, nach Deutschland auszuwandern. Aber jetzt, wo ich hier bin, wird mir ständig Tee angeboten. „Nein danke! Ich trinke lieber Kaffee.&#8221;

„Aber wir haben keinen Kaffee hier zu Hause. Wir trinken nur Tee bei uns. Und wie meinst du das: du trinkst lieber Kaffee? Ich dachte, du wärest Engländer? Und was ist mit Tea Time? Isst du etwa keine Tea Time?&#8221;

Mit Tea Time ist bei mir nichts. Erstens, weil wir das Wort in dem Kontext nicht benutzen – du kannst keine „Tee Pause&#8221; essen. Zweitens, weil ich Tee nicht besonders gerne mag. Inzwischen habe ich mich aber mit Früchtetees und Roibusch angefreundet – anders ging es in Deutschland nicht.

Musik: Real Rice &#45; Triste pluie &#45; sous la pluie, Vulsor &#45; Pov Diables</description>
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      <dc:date>2008-11-27T02:42:58+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 27 Nov 2008 02:42:58 +0000</pubDate>
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      <title>15: Bergische Kaffeetafel</title>
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      <description>Als ich damals an der Universität mit Thomas Mann anfangen musste, hatte ich Angst. Die Wälzer stapelten sich haufenweise vor meinen Augen auf: Buddenbrooks, 700 Seiten; Der Zauberberg, gut 1000; Doktor Faustus in ähnlicher Dicke. Schon die „kurzen&#8221; Novellen waren um die 100 Seiten dick und fingen an mit Schachtelsätzen, deren Wörterzahl sich ebenfalls im dreistelligen Bereich bewegte.

Ich hatte weder Zeit noch Lust, mir das alles reinzuziehen. Doch es musste sein. Ich fing schweren Herzens mit Buddenbrooks an. Schon nach ein paar Seiten hatte ich mich allerdings unerwarteter Weise mit dem Text gut angefreundet. Der Autor beschrieb nämlich immer so gerne und so ausführlich, was die vornehme Familie so alles Köstliches verspeiste.

Ganz wie die Buddenbrooks selber also fraß ich mich durch die 700 Seiten. Nächste Station: Der Zauberberg, wo ich schon vermutete, dass der junge Hans Castorp nur deswegen im Sanatorium blieb, weil der Kaffee und Kuchen – welch typische deutsche Spezialität – so gut war.

Als ich diese etwas ungewöhnliche Theorie meinem Dozenten offenbarte, rechnete ich schon mit Spott und Hohn. Doch lehnte er sich in seinem Sessel zurück und meinte, es wäre „ eine Doktorarbeit über Mann und das Essen zu schreiben. Ebenfalls über die leidenschaftliche Beziehung der Deutschen zu süßen Mahlzeiten.&#8221;

Musik: Matthew Tyas &#45; Folkloric Stuff</description>
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      <dc:date>2008-11-19T22:50:09+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 19 Nov 2008 22:50:09 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>14: Trinkhallen</title>
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      <description>&#8220;Tag auch!&#8221; lass&#8217; ich los, als ich in die Trinkhalle reinkomme. Mit so einem schönen Stück Ruhrgebietsdeutsch kann es mir nur gelingen, den Inhaber zu überzeugen, dass ich einheimisch bin. Vielleicht zeigt er mir dann die Halle.

&#8220;Guten Tag&#8221;, erwidert der Inhaber. Der will offenbar auf meinen auffällig regional geprägten Spruch nicht eingehen. Die sind ein harter Fall für den investigativen Journalisten, diese Trinkhalle&#45;Brüder. Ich versuche es trotzdem:

&#8220;Ich möchte in die Halle, bitte.&#8221;

&#8220;Aber wir haben keine Halle hier.&#8221; Mit der Antwort hatte ich gerechnet.

&#8220;Ach so, alles klar.&#8221; Ich lege ein Fünzig&#45;Euro&#45;Schein hin und warte.

Er bewegt sich nicht.

&#8220;Darf ich jetzt in die Halle?&#8221;

&#8220;Das habe ich Ihnen bereits gesagt: Wir haben keine Halle hier.&#8221;

Da bin ich mit meinem Latein schon am Ende. Was kann man machen? Die Ruhrgebietstradition Trinkhalle bleibt einem als Außenseiter vorenthalten. Vielleicht, wenn ich mein &#8220;Tag auch!&#8221; mit einem schmutzigen Unterhemd und ein Bergbauhelm anreichere&#8230; Vielleicht dann komme ich rein.

Musik: Cyril Pereira &#45; Blacksheep Pacific, Realaze &#45; Marcher dans la Rue</description>
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      <dc:date>2008-11-13T10:01:18+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 13 Nov 2008 10:01:18 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>13: Bermudadreieck</title>
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      <description>Der 31. Oktober: Ein verhängnisvoller Tag – der dunkle Winter wird mit Hexen, Teufeln und Leichen eingeläutet. Schon am Morgen dieses gruseligen Tages ahnte ich Böses.

Als mein Zug nach Hause ungeplant in Bochum stehen blieb, wusste ich schon Bescheid: die Nacht würde ich wohl nur mit himmlischer Hilfe überstehen.

Ins sogenannte ‚Bermudadreieck&#8217; zog es mich. Schon bei dem Namen wuchs die Unruhe in mir. Dort wurde ausgelassen gefeiert, als stünde der Weltuntergang kurz bevor. Der apokalyptischen Stimmung verliehen abgesägte Handgelenke und omnipräsenter Nebel eine noch bedrohlichere Note.

Mein Leben befand sich offenbar in Gefahr. Nun ging es mir darum, wie ich lebendig da rauskommen würde. Mit Hilfe eines Ortskundigen entdeckte ich das Geheimnis und überlebte. Dank ihm sitze ich hier und schreibe diesen Bericht.

Musik: Raphaël Badawi</description>
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      <dc:date>2008-11-05T22:01:11+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 05 Nov 2008 22:01:11 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>12: Schwebebahn</title>
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      <description>Nach der Erforschung der Abgrenzung zwischen U&#45; und Straßenbahn, während derer ich über die K&#45; und sogar die D&#45; Bahn gestolpert bin, dachte ich, die rätselhaften deutschen Verkehrsmittel könnten nicht skurriler werden.

Dann schwebte mir doch eine Erinnerung aus meiner Kindheit vor. Ich bin mit meiner Mutter bei den Pateneltern in Solingen unterwegs und wir machen einen Tagesausflug nach Wuppertal. Dort wird mir die „Schwebebahn&#8221; vorgestellt und ich fahre begeistert mit dem Ding den ganzen Tag durch.

„Wollen wir nicht vielleicht mal den Zoo besuchen?&#8221; schlägt meine Mutter vor und schaut sehnsuchtsvoll hinab zur Untenwelt. „Wir könnten hier direkt aussteigen und uns ein paar Löwen angucken. Du magst doch Löwen, oder?&#8221;

Als die verzweifelte, schwebe&#45;müde Frau versucht, mich aus der Bahn raus zu bekommen, brülle ich wie ein Löwe. „Nein Mutti, ich will noch eine Runde fahren!&#8221;

Seitdem war ich bis zum Dreh leider nie wieder Schwebebahn gefahren, denn so was gibt es in keiner anderen Stadt. Warum hat eigentlich keine andere Stadt dieses Konzept eingesetzt? Und – angesichts der schlechten Transrapid&#45;Erfahrung im fernen Osten – wie lange dauert es, bis Shanghai eine Schwebebahn hat?

Musik: Subatomicglue &#45; theme4,&amp;nbsp; Mister Electric Demon &#45; SuperJam 2</description>
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      <dc:date>2008-10-29T22:59:12+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 29 Oct 2008 22:59:12 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>11: Currywurst</title>
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      <description>Die angelsächsischen Länder zeichnen sich war in der Regel nicht gerade durch ihre Deutschlandkenntnisse aus. Doch eins weiß man überall im englischsprachigen Ausland: Die Deutschen lieben Wurst. Kaum ein Gespräch über Deutschland wird abgeschlossen, kaum ein Bericht über das Land geschrieben, kaum ein Porno&#45;Film gedreht ohne einen guten Wurst&#45;Gag.

Bockwurst, Frankfurter, Bratwurst: Wenn es den Englisch&#45;Muttersprachlern um die Wurst geht, werden die verschiedenen Fleisch&#45;Kreationen aus Deutschland meistens wörtlich übernommen. Einige davon, wie die Currywurst, sind sogar im Oxford Englisch Dictionary zu finden. Und selbst dort in der Prestige&#45;Veröffentlichung der edlen Universitätsstadt wird die Debatte über die Herkunft dieses besonderen Wurstessens erwähnt.

Dennoch ist die Tatsache, dass sich Berlin, Hamburg und das Ruhrgebiet die Ehre abstreiten, den meisten Lesern des üppigen Sprachkompendiums vollkommen Wurst. Das, was sich alle Gesprächspartner, Journalisten und Porno&#45;Regisseure fragen, wenn sie nach dem Wort „Currywurst&#8221; suchen: Wie lässt sich am Besten ein Witz mit den Wörtern „sausage&#8221;, „sauce&#8221; und „hot&#8221; drehen?

Musik: Subatomicglue &#45; Interlude, Cyril Pereira &#45; Blacksheep Desert</description>
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      <dc:date>2008-10-23T09:03:40+00:00</dc:date>
      <pubDate>Thu, 23 Oct 2008 09:03:40 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>10: Bier</title>
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      <description>&#8220;Was ist das denn für ein Scheiß? Willste mich verarschen?&#8221;

So wurde ein deutscher Bekannter von mir angemacht, als er während eines auf sein Studium bezogenes Auslandsjahr in London seinen ersten Freitagabend&#45;Dienst als Barkeeper in einer englischen Kneipe verrichtete.

Sein Fehler? Er hätte nicht genug Bier eingeschenkt ins Pint&#45;Glas, so zumindest der glatzköpfige, seinen Riesenbauch mit einem Fußballtrikot überspannende englische Kunde. &#8220;Wie meinen Sie, mein guter Herr? Ich habe doch ordentlich eingeschenkt.&#8221;

&#8220;Nein, haste nicht. Da ist noch Schaum drauf. Siehste nicht mehr richtig? Soll ich dir vielleicht mal eine Runde deine Hackfresse polieren, bis du da wieder durchblickst?&#8221;

So lernte der Freund schnell, dass der Engländer beim Biertrinken die Quantität der Qualität vorzieht. Schaum gilt hierzulande als unverzichtbarer Beweis, dass das Bier noch frisch ist. In England ist er eine unerwünschte Nebenerscheinung, die Platz im Glas in Anspruch nimmt.

Denn in Deutschland wird Bier aus Qualitätsgründen gerne kleiner verkauft: Man lässt sich dann noch eins bringen, frisch gezapft, wenn man ausgetrunken hat. Diese Strategie ist völlig sinnlos auf der Insel: In England erntet derjenige, der ein &#8220;half pint&#8221; bestellt nur Spott. Er wird von den Kumpels als &#8220;Tante&#8221; bezeichnet, muss zudem öfter aufstehen und anstellen: Und das Bier ist ja sowieso nicht frisch.

Warum trinken denn Engländer überhaupt noch Bier? Und warum schmeckt es in Deutschland so viel besser?

Musik: Cyril Pereira &#45; Indecision, Xcyril &#45; L action</description>
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      <dc:date>2008-10-15T21:41:16+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 15 Oct 2008 21:41:16 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>09: Raucherbereiche</title>
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      <description>Von den Kommentaren die auf DerWesten.de abgegeben wurden zu der Frage, ob man bei einer roten Fußgängerampel stehenbleibt, könnte man den Eindruck gewinnen, die Deutschen würden Autorität aller Art ablehnen. „Wir Deutsche sollten uns mal ein bisschen von unserer Obrigkeitshörigkeit lösen&#8221;, schrieb der eine Nicht&#45;bei&#45;rot&#45;Stehenbleiber.

Den Eindruck gewinnt man auf jeden Fall, wenn man vorbeirasende Autos in Wohngegenden sieht. Oder hört, wie Leute auf eine S&#45;Bahn&#45;Haltestelle darüber diskutieren, ob sie überhaupt ein Ticket kaufen sollen. Frei nach dem Motto: Ach komm, da wird eh nie kontrolliert.

Was an Bahnhöfen doch kontrolliert wird: Ob geraucht wird oder nicht. Es ist eine komische Situation, einen von jenen Zwischenzuständen, den die menschliche Natur abscheulich findet. Es darf etwas getan werden, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Nicht ein totales Verbot, aber auch nicht eine totale Genehmigung.

Da stehen Raucher auf dem Bahnsteig, eingegrenzt von den allgegenwärtigen gelben Linien, und schauen sehnsuchtsvoll nach den schönen, sauberen Plätzen, wo Kippen noch nicht überall auf dem Boden liegen und wo die Luft nicht mal wieder von einem brennenden Aschenbecker verpestet ist.

Ab und zu will Einer mit einem kleinen Schrittchen über die gelbe Linie besagen: „Ich verweigere mich, so behandelt zu werden.&#8221; Doch das Protestschrittchen merkt fast kein Mensch. Und wo sich der Franzose in Paris noch herrlich unbekümmert in der Metro unter den Rauchverbotsschildern noch eine ansteckt, da bleibt der Deutsche eher gehorsam. Autorität lehnt man hier offenbar nicht ab.

Musik: Vulsor &#45; Youkou Yeah Yeah!, BrunoXe &#45; Melodia F</description>
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      <dc:date>2008-10-08T22:01:45+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 08 Oct 2008 22:01:45 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>08: Ampeln</title>
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      <description>&#8220;Bist du blind, du Wichser?&#8221;

„Verdammt Mann, biste bescheuert?!&#8221;

Oder, mal höflicher: „Haben Sie es denn so eilig?&#8221;

Diese Fragen werden mir immer wieder gestellt, wenn ich die Straße bei roter Ampel überquere. Hätte ich je Zeit, um die meinerseitige Antwort zu erteilen, würde sie folgendermaßen lauten: &#8220;Nein, aber da fährt kein Auto&#8221;. Doch habe ich es meistens sehr eilig. Auf die anderen beiden Fragen gehe ich am liebsten hier nicht ein.

Denn in London oder Paris kommst du nur so weiter. Vor allen Dingen in Paris. Da braucht man Mut, um überhaupt einen Fuß auf die Straße zu setzen; in Marseille braucht man schon einen Raketenwerfer. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wartet man da auf Grün, kommt man sich nach zwanzig Minuten vor wie Kafka&#8217;s Mann vom Lande, der vor dem Gericht wartet, bis er stirbt.

Nun, in Deutschland ist das nicht nötig. Die Straßen sind meistens leerer als in London und die Deutschen benehmen sich beim Fahren nicht so daneben, wie ihre gallischen Vetter das tun. Doch warte ich nicht immer bei Rot, auch wenn sich Gerüchte zu mir durchgedrungen haben, es wäre illegal, bei Rot zu überqueren.

Im Bekanntenkreis scheiden sich da die Gemüter. „Das ist ein Mythos, Brian. Selbst das deutsche Rechtsbuch ist nicht so kleinlich&#8221;, sagt der eine. „Nein: Da wird man straffällig und muss schlimmstenfalls ins Knast&#8221;, so der andere. Was ist richtig?

Musik: Raphael Badawi &#45; Concerto en Mib Majeur, Realaze &#45; Demons</description>
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      <dc:date>2008-10-01T22:01:27+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 01 Oct 2008 22:01:27 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>07: Wochenmärkte</title>
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      <description>Als ich in Dortmund wohnte, war ich regelmäßig auf dem Hombrucher Wochenmarkt einkaufen. In der Tat habe ich mich fast ausschließlich von dem Markt ernährt. Kartoffel noch mit Erde bedeckt; Eier, deren Gelbe richtig gelb war; die köstliche westfälische Spezialitäten Möpkebrot und Panhas von der Fleischerin.

Früher in Hamburg war es der Wandsbeker Wochenmarkt, dass mich vor dem Verhungern schützte. Das war jene Zeit von Räucheraal und Heideschnucken, Büsumer Krabben und Äpfel aus dem alten Land. Später, auf dem Münsteraner Domplatz, gab es für mich Bobbes und Knabbeln. In Düsseldorf, ABB&#45;Senf frisch vom Faß und Stielmus.

Das alles gibt es auf den deutschen Wochenmärkten, die in jeder Stadt frische Produkte aus der Region anbieten. Und das gibt es in England nur in viel kleinerem Maß. Da finden Wochenmärkte oft nur einmal im Monat statt – und heißen wohl deswegen nicht erwartungsgemäß „weekly markets&#8221;.

Dabei liegt man in Deutschland mit dem Begriff „Wochenmarkt&#8221; auch nicht so richtig. Denn viele von diesen sogenannten Wochenmärkten – wie dem in Dortmund&#45;Hombruch etwa – finden schon mehrmals in der Woche statt. Das ist dann auch kein „Wochenmarkt&#8221; mehr, oder?

Musik: #NarNaöud# &#45; Break &#8216;n Fever, Andrea Barone &#45; Alabama</description>
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      <dc:date>2008-09-24T22:01:37+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 24 Sep 2008 22:01:37 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>06: Schaufenster</title>
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      <description>„Ich hätte gerne eine Brille und eine Eule, bitte.&#8221; Diesen Satz wird tagtäglich wohl Tausend mal in den Optikern im deutschen Sprachraum ausgesprochen. Wie, Sie haben nie gehört, wie jemand in einem Geschäft eine solche Bitte bekanntgibt? 

Dann passen Sie auf, wenn Sie das nächste Mal an einem Optiker vorbeilaufen. Da werden Sie sehen, wie Brillen in einer Reihe mit Vögeln angeboten wird, wie Brillen gar in Vögelnestern schlüpfen.

Und nicht nur Vögel. In den Schaufenstern von deutschen Optikern &#45; und Apotheken, wohlgemerkt &#45; tauchen Frösche, Fische und sogar kleine Männchen auf. Was ihren Bezug zu Brillen und Medikamenten eigentlich ausmacht: Darüber wurde ich bislang nicht aufgeklärt.

Kein Schimmer auch bei den Nudeln, Reiskörnern und anderen essbaren Sachen, die in Schaufenstern ausgestellt werden. Und vor kleinen Kunstrasen, Stoffblümchen und trist aussehenden Zweigen mit Kugeln oder Lichtern bedeckt kann ich nur staunen. Was hat das alles mit Brillen und Pillen zu tun, frage ich mich. Warum nur?

Ja: Deko&#45;Sachen in den Schaufenstern von Läden, die eigentlich etwas seriöser aussehen sollen. Ein Besuch im Optiker wäre für mich kein Shopping&#45;Bummel, wo die Fenster schön aussehen müssten. Und erst recht keine ornithologischer Ausflug.

Musik: Gerador Zero &#45; #!/bin/bash, Xcyril &#45; Suspense dans un film d action</description>
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      <dc:date>2008-09-17T22:01:48+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 17 Sep 2008 22:01:48 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>05: Schützen</title>
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      <description>Die deutschen Städte sind eigentlich nicht so gefährlich wie London. Doch kennt jede diese Sonntage im Sommer, wo überall plötzlich geschossen wird. Unterwegs mit deutschen Freunden bin ich dann der Einzige, der Schutz sucht. Das konnte ich nie verstehen: Es fliegen Kugel auf der Straße und man läuft unbekümmert weiter.

Man erzählte mir allerdings, es würde nur auf Vögel geschossen. Es handele sich um ein &#8220;Schützenfest&#8221;. Es wurde versucht, mir das Wort begreiflich zu machen. Es wurde mehrmals, auf verschiedenste Weise erklärt. Vergebens. Ich musste einfach hin, um zu verstehen, worum es geht.

Von der Vorrecherche nahm ich folgendes mit: Uniform, Schusswaffen, Bier. Das hörte sich wie eine sehr schlechte Kombination an. Ich schob einen wirklichen Besusch den ganzen Sommer vor mir her. Alpträume jede Nacht. Eine schlechte Zeit, in der ich meine Karrierauswahl wieder in Frage stellte. Als ich allerdings endlich mal die Courage in mir fand, mich und meinen Kameramann dorthin zu begeben, war ich sofort erleichtert.

Jede Menge Blumen, lediglich symbolische Waffen aus Holz, und – natürlich – doch Bier. Diese Kombination gefiel mir weitaus besser. Die Gesellig&#45; und Gemütlichkeit las ich den Leuten schon vom Gesicht ab. Sogar das tobende Trommeln war irgendwie freundlich.

Die Schützen hoben uns übrigens netterwesie auf und erklärten uns alles. Wir lernten sogar Dave aus Australien kennen, Mitglied eines Neusser Schtüzenvereins. Was er allerdings nicht wusste: Es gibt in Adelaide eines der größten Schützenfeste der Welt, wie sich ergooglen lässt. Auf dem Poster: Eine Frau mit einem Oktoberfest&#45;Dirndl. Offenbar haben die Freunde down under weniger Ahnung vom „Schutzenfest&#8221;, wie sie das schreiben, als ich.

Musik Cyril Pereira &#45; The Revenge Of Glory</description>
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      <dc:date>2008-09-10T22:01:45+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 10 Sep 2008 22:01:45 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>04: Allwetterbad</title>
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      <description>So manchem bleibt der Charme bis ins Alter vorenthalten, aber ich wurde schon in der Schulzeit zu einem begeisterten Frühschwimmer. Mein Gymnasium erfreute sich eines eignen Schwimmbeckens, wo wir jeden Morgen vor dem Unterricht von einer kleinen, schmächtigen &#45; aber zugleich schlagfertigen &#45; älteren Dame aus dem Norden trainiert wurden. Sie feuerte, ja brüllte uns in ihrem harten Dialekt an. Wir hörten sie schon in einem Rausch von Schimpfwörtern kommen, bevor wir sie sahen.

Und wir rochen sie schon. Locker 40 Zigaretten am Tag muss die Frau geraucht haben &#45;ihrer Stimme und dem besonderen Parfüm nach zu urteilen. Chlor und Zigarettengeruch: Eigentlich verwunderlich, dass ich so gerne geschwommen bin.

Damals dachte ich allerdings, alle Schwimmbäder würden so nach Chlor stinken. Ich hielt es für normal, dass meine (wenigen) Haare so langsam grün wurden. Ich nahm auch in Kauf, dass mein Schwimmsport dazu führte, dass Freunde noch am Wochenende an mir rochen und fragten, ob ich vor ein paar Stunden  geschwommen wäre.

In Deutschland fällt es aber keinem auf, dass ich gerne schwimme. Und erst im Allwetterbad Flingern in Düsseldorf habe ich erfahren, warum: Großbritannien sei ein „high&#45;Chlor&#45;Land&#8221;. In Deutschland wäre so eine Chlorkonzentration in öffentlichen Schwimmbädern rechtlich gar nicht zulässig. Nein: In Deutschland müsse man das Wasser eben auf altmodische Art und Weise filtern und wechseln, so der Geschäftsführer der Düsseldorfer Bädergesellschaft, Herr Steinmetz. Deutsche Sauberkeit, halt. Manchmal denke ich, meine Liebe zu diesem Land kann nicht größer werden. Aber Deutschland übertrifft immer wieder meine kühnsten Erwartungen.

Kurz gesagt: Bäder finde ich hier klasse. Was der gute Herr Steinmetz allerdings nicht zu meiner Zufriedenheit erklären konnte: Was ist denn der Unterschied zwischen einem Frei&#45; und einem Allwetterbad?

Musik: Antony Raijekov &#45; Lightnin, Cyril Pereira &#45; Blacksheep Jungle</description>
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      <dc:date>2008-09-03T22:01:39+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 03 Sep 2008 22:01:39 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>03: Brot</title>
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      <description>Würde ich wieder in Großbritannien wohnen, so müsste ich auf gutes Brot verzichten. Oder mein Eigenes backen. Ist doch das britische Brot beinahe ungenießbar. „Brot&#8221; ist ja wohl gar nicht die richtige Bezeichnung für das, was man auf der Insel unter dem Begriff versteht.

Diese fürchterliche Toast&#45;Pappe, die nach nichts schmeckt. Kämen wir Inselaffen nur ein einziges Mal nach Deutschland! Wir würden eine schmerzliche Erkenntnis mit nach Hause nehmen. „Diese laschen Scheiben haben wir uns jahrelang andrehen lassen!&#8221; 

Hier ist das Brot frischgebacken, schmack&#45; und nahrhaft, und vor allen Dingen spannend. Es gibt jede Menge Sorten – von jenem schwazen rheinischen Vollkornbrot über das Hamburger Schwarzbrot bis hin zu Münchener Semmeln. Brot kommt zwar in jeder Stadt anders, schmeckt dafür aber immer hervorragend.

So esse ich in Deutschland täglich frisches Brot. Manchmal frage ich mich sogar, ob ich schon brotsüchtig bin?

Musik: Lego &#45; Cuicui remix, Matthew Tyas &#45; Unhandled Pleasures</description>
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      <dc:date>2008-08-27T22:01:07+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 27 Aug 2008 22:01:07 +0000</pubDate>
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      <title>02: Städtebahnen</title>
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      <description>Die Deutsche Bahn, oder vielmehr die deutschen Bahnen: Eine Quelle der Bewunderung und Verwirrung zugleich für den Engländer. S&#45;Bahn, U&#45;Bahn, Stadtbahn, Straßenbahn, Schwebebahn, in Dortmund eine „H&#45;Bahn&#8221;. Und im rheinischen Raum gab es früher mal sogar eine „K&#45;Bahn&#8221;. Und eine „D&#45;Bahn&#8221;, was aber keine Abkürzung für „Deutsche Bahn&#8221; ist. Warum wird die Bahn hier auf so vielfältige Weise beschimpft?

Bei uns in England hingegen gibt es Bahn, Underground und… naja, wir haben schon in den 60er Jahren die meisten anderen schienenbezogenen öffentlichen Verkehrsmittel abgewickelt. Von daher finde ich es in Deutschland sehr schön, dass die Großstädte so ein dichtes Nahverkehrsnetz haben: Von Punkt A bis Punkt B kann man normalerweise locker über drei verschiedenen Strecken gelangen.

Öfter geht es am einfachsten mit der Stadtbahn. „Stadtbahn&#8221; ist der offizielle Begriff für die lustigen U&#45;Bahn/Straßenbahn&#45;Kreuzungen, die in den Großstädten im Rhein&#45;Ruhr&#45;Gebiet unterwegs sind. Und nicht nur in den Städten, sondern teilweise auch zwischen den Städten: Von daher möchte ich – ungeachtet des Risikos, den ohnehin komplizierte Nahverkehrs&#45;Wortschatz weiter zu komplizieren – eine treffendere Bezeichnung neu schöpfen: Städtebahn.

Musik: Ehma &#45; Pizzicato, Antony Raijekov &#45; When Waves Trying to Catch a Marvel</description>
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      <dc:date>2008-08-20T17:48:46+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 20 Aug 2008 17:48:46 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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      <title>01: Fernsehtürme</title>
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      <description>Fernsehtürme sind in Deutschland dermaßen zahlreich, das sie den Einheimischen gar nicht mehr auffallen. Jedoch sind meine ersten Erinnerungen von Deutschland von diesen Betonnadeln geprägt: Der Rheinturm, der Florianturm, die andere namenlosen, zum Verwechseln ähnlichen Türme, die überall im Boden stecken wie von ungeschickten Kindern auf einem Geburtstagskuchen verstreute Kerzen.
 
Obwohl der Name &#8220;Fernsehturm&#8221; schon aussagekräftig ist, frage ich mich doch immer wieder, wozu diese Konstruktionen überhaupt dienen. Funktionierte doch mein Fernsehgerät in London daheim ohne Fernsehtürme. Ich habe das Gefühl, es steckt etwas hinter dem Begriff &#8220;Fernsehturm&#8221;, und will der Sache nachgehen.

Musik: Subatomicglue &#45; Feline, Subatomicglue &#45; A Jetpack in Hand, Xcyril &#45; Suspense dans un film d action</description>
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      <dc:date>2008-08-13T22:22:54+00:00</dc:date>
      <pubDate>Wed, 13 Aug 2008 22:22:54 +0000</pubDate>
      <author>Brian Melican, Blinkenlichten Produktionen &lt;post@blinkenlichten.com&gt;</author>
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