54: Varusschlacht

Stereotypen machen immer wieder Spaß, egal ob sie stimmen oder nicht. Zum Beispiel habe ich eine Zeit lang in Düsseldorf mit einem Italiener WG gemacht. Und ganz wie ich mir das vorgestellt hatte, ernährte er sich fast ausschließlich von Pizza, Pasta, und Parmaschinken. Rotwein trank er. Gestikulieren tat er viel.

Allerdings sah er überhaupt nicht Italienisch aus: Fleischig, blass und mit großen blauen Augen, er kam einem eher wie ein Deutscher vor. Und zu spät kam er ungern. Eigentlich war er pünktlicher als ich – und um einiges pünktlicher als unsere deutsche Mitbewohnerin, die nun mal gar keinen Plan hatte, von dem, was Zeitplanung anging.

Wir Nordeuropäer von Heute haben eben unsere Vorurteile gegenüber Italienern: sie wären unpünktlich und unorganisiert, hätten keine Ahnung von Sauberkeit (siehe Neapel) und würden zu gerne in der Sonne rumliegen. Interessanterweise hegten aber die Südeuropäer von vor 2000 Jahren ein ähnliches Klischeebild von den Kelten und Germanen. Die Römer hatten schließlich Großstädte mit Müll- und Abwasserentsorgung, als die Nordeuropäer noch in Lehmhütten wohnten.

Also war es ein herber Schock für das römische Reich, als der Barbar Hermann mehrere deutsche Stämme organisierte und die Römer in eine kluge Falle lockte. So ungefähr, als würden die Italiener plötzlich Berlusconi abwählen, die Mafia rauskicken und ihre Städte nach deutschen Standards pflegen.

Musik: Cyril Pereira - Margueritte

27.08.2009 | Link/Einbetten | Kommentare [2] | Versenden | Social Bookmark:

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Kommentare:

Nicht nur das die Deutschen einen ganz anderen Namen für ihr Land haben. Auch Germany oder Germania hat sich auch nicht bei allen durchgesetzt.

Da gibt es auch noch so schöne Varianten wie Tyskland (dänisch) oder Saksamaa (estnisch) und nicht zuletzt das Niemcy/Nemecko/Německo und ähnliche im slawischen. Was früher wohl mal so viel hieß wie "Der, der nicht spricht" :D

Kommentar von DaSch, geschrieben am 27.8.2009.

Stimmt alles. Übrigens kommt "Deutsch" natürlich von "deutlich" - also derjenige, mit dem ich mich als Deutschsprechender verständigen kann.

Kommentar von Brian Melican, geschrieben am 27.8.2009.

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